Beziehungen durchlaufen Phasen. Mal sind sie enger, mal distanzierter. Auf den Plattformen der Social Media kann man das nicht erkennen. Die Verbindungen heißen „Kontakt“, „Friend“ oder „Follower“, egal wie es um den tatsächlichen Beziehungszustand bestellt ist. Frank Hamm vom Injelea-Blog fragt, ob das so schlau ist, und hat zu einer Blogparade eingeladen

Ein schönes Thema – meine Fantasie ist geweckt: Wie würde man den Beziehungszustand wohl abbilden können – mit einem Thermometer? Was wäre dann die Einheit: Der Herzschlag beim Betrachten des Fotos? Und wie häufig würde man aktualisieren? Müsste man für private und berufliche Kontakte unterschiedliche Farben verwenden?

Und vor allem: Würde ich den Beziehungszustand überhaupt öffentlich kommunizieren wollen?

Ein Kontakt – zunächst eine Freischaltung

Die Technik stößt hier an ihre Grenzen. Zu dieser Online-Brücke, die je nach Plattform „Kontakt“, „Follower“ oder „Friend“ heißt, habe ich eine ziemlich pragmatische Einstellung. Sie bedeutet nicht mehr, als dass die Kommunikationswege prinzipiell geöffnet sind. Alles weitere liegt an meinem Einsatz – und dem des Gegenübers. Eine Beziehung wächst durch Austausch, durch die Häufigkeit der Kommunikation, die Themen, das Vertrauen. Oft folgen dem Online-Kontakt Telefonate oder persönliche Begegnungen. Dann dienen Xing oder Twitter als Sprungbrett, aber die Beziehung nimmt auf ganz anderen Wegen ihre Gestalt an.

Mindestanforderungen für eine Zusage

Kontakte können sehr gute Freude sein. Nach oben ist alles offen. Grenzen setze ich unten. Bei Twitter folge ich zum Beispiel nicht jedem, der mir folgt, sondern Accounts die mich persönlich oder fachlich interessieren. Bei Google+ will ich wirklich privat bleiben und sage – wenn überhaupt – nur Kontakte von Personen zu, die ich bereits persönlich kenne. Bei Xing möchte ich den Eindruck haben, dass der Anfrager tatsächlich ein Interesse an mir hat. Der Hinweis darauf, dass Netzwerke irgendwie immer sinnvoll sind, reicht mir nicht. Auch möchte ich nicht, dass mein Kontakt für ungebetene Newsletter oder Einladungen missbraucht wird.

Ein Kontakt ist wie eine Telefonnummer

So richtig neu ist das alles übrigens nicht: Wenn Sie an Ihr Adressbuch denken, was bedeutet Ihnen dann eine Telefonnummer? Die Nummer an sich ist es doch nicht, wohl aber das, was Sie mit dem Inhaber der Nummer verbindet: Ihre Wertschätzung, Ihre Freundschaft, die Zuneigung. Und vielleicht drückt sich Ihre Haltung zu dieser Person darin aus, wo Sie die Nummer ablegen – in Ihrem Handy-Speicher bei den ganz wichtigen Nummern oder im großen Zettelkasten.

Mit den Social Media geht es doch genauso. Twitter, Xing oder Facebook sind Instrumente der Beziehungspflege, ähnlich wie das Telefon, die Postkarte oder ein Brief. Mit jedem dieser Medien kann man unterschiedliche Dinge anfangen. Spannend ist doch, was jeweils passt.

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