Zu Aufträgen kommen, wenn du wirklich keine Lust auf Kundenakquise hast

  • Arbeiten in einem Trainerteam: vier Vorteile und drei Nachteile.
  • Für alle, die keine Lust auf Kundenakquise haben.

„federführend media“ Elke Schwan-Köhr hat zu einer Blogparade eingeladen „Einen Scheiß muss ich“. Oh, ja, dazu fällt mir etwas ein. Danke für die Einladung!

„Eigentlich bin ich ja gegen Marketing…“, sagte die Gastgeberin und übergab mir das Wort. Ich war für einen Vortrag eingeladen.

Na, toll! Welches Bild sie da im Kopf hatte, weiß ich nicht. Wahrscheinlich war es irgendwas mit Werten. Verkauf, Akquise und Marketing haben ein Geschmäckle. Notwendig zwar, aber bäh-bäh.

Also gut. Wenn du wirklich keine Lust auf Kundenakquise hast, gibt es einen Ausweg: Schließe dich einem Team an. Das hat Vor- und Nachteile:

Vorteile

Tun, was du gerne tust

Im Team kannst du dich auf das konzentrieren, für das du dich selbständig gemacht hast, also auf Training, Beratung, Coaching, Mediation und anderes mehr.

Austausch

Du hast Kollegen, mit denen du reden kannst. Einzelkämpfer zu sein, heißt auch, alles mit sich alleine abzumachen. Die Einsamkeit am Schreibtisch finden manche deiner Kollegen bedrückend.

Attraktive Aufträge

Trainerteams sind für große Kunden attraktiver als Einzelkämpfer. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Falls ein Trainer ausfällt, findet sich Ersatz. Die vertragliche Beziehung zu einem großen Sub-Unternehmen nimmt sich kostengünstiger aus als viele Verträge zu Einzelkämpfern. Auch Haftungsfragen spielen eine Rolle. Zusammen mit einem Team steigen deine Chancen, Teil eines langfristigen, lukrativen und spannenden Projekts zu sein.

Wirtschaftliche Stabilität

Sämtliche Auswertungen von managerSeminare bis zum DIW kommen zum gleichen Ergebnis: Gut aufgestellte Teams stellen sich wirtschaftlich besser als Einzelkämpfer. Ein Grund von vielen ist, dass sie als Team ihre Kundenakquise auf solide Füße stellen können. Unter den Einzelkämpfern schaffen nur wenige den Spaget zwischen intensiven Einsätzen bei ihren Kunden und einem regelmäßigen Marketing.

Die Nachteile

Anpassung

Wenn du eigene kreative Ideen hast, bleibt offen, ob du sie ausleben kannst.

Pech mit dem Team

Die genannten Vorteile beziehen sich auf gut aufgestellte Teams. „Gut aufgestellt“ heißt: Die Aufgaben und Rollen sind geklärt, ganz besonders die Frage nach der Kundenakquise. Ich kann auf mindestens zwei Beispiele verweisen, wo das seit Jahren hervorragend funktioniert.

Demgegenüber stehen unzählige Beispiele von Trainerteams, die scheitern. Es sind Geschichten wie diese: Man kommt zusammen, weil man sich sympathisch findet und Lust hat, miteinander zu arbeiten. Die Frage nach den Kunden bleibt jedoch offen – damit ist das Scheitern programmiert.

Ebenfalls fragwürdig sind Trainingsorganisationen, die ihre Trainer und Coaches in benachteiligende Verträge zwingen. Wenn du nichts mitbestimmen darfst, wenig verdienst, keinerlei Sicherheiten hast, stattdessen aber ein hohes Ausfallrisiko trägst, ist wenig gewonnen.

Rechtliche Schranken

Wenn du dich für die Zusammenarbeit in einem Team entscheidest, musst du etwa die Frage nach der Scheinselbständigkeit im Blick behalten. Wenn du mehr dazu erfahren willst: Scheinselbstständigkeit: Definition, Kriterien, Folgen und Schutz.

 

Wie (un-)attraktiv ist dein Team wirklich?

Viele Trainer und Coaches haben sich bereits für die Mitarbeit in einem Team entschieden oder beziehen zumindest einen Teil ihrer Aufträge aus solchen Quellen. Mit der Zeit macht sich Unzufriedenheit breit: Der Wunsch nach Unabhängigkeit wächst. Außerdem locken höhere Honorare. Bedenke bitte, dass die Kundengewinnung 30 bis 50 Prozent der Ressourcen verschluckt. Rechne nochmal nach. Womöglich ist deine Kooperation, über die du dich ärgerst, besser als sie sich anfühlt.

Keine Kundenakquise? Warum nicht!

Manchmal treffe ich auf Trainer, die sich im Gespräch mit mir unwohl fühlen, weil sie keine eigenen Kunden gewinnen. So als wären sie nicht vollständig. Bitte nicht! Ob jemand Kinder versorgt, am Anfang seiner Selbständigkeit steht und den eigenen Stil noch sucht oder Spaß an großen Aufträgen und Teamarbeit hat – es gibt viele gute Gründe, sich gemeinschaftlich auf den Weg zu machen.

Es liegt an dir. Triff deine Entscheidung. Wenn du jedoch keine Lust hast, dich unterzuordnen, anzupassen oder nach anderer Leute Pfeife zu tanzen, kurz: wenn du dein eigenes Ding machen willst, dann steh‘ auch dafür ein. Nimm die Aufgabe an, denn die Kundenakquise gehört zur Unabhängigkeit dazu.

 

 

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