Marketing-Trends kommen und gehen. Lohnt es sich auf den Zug aufzuspringen? Ein Kompass für Ihre Entscheidung

  • Ist der Trend hilfreich, um meine Leistung zu verkaufen? Vier Fragen zur Klärung.
  • Und ist es wirtschaftlich, aufzuspringen.

„Eine Website ohne Bewegtbild – das geht ja gar nicht mehr!“ Mein Berufskollege redet beschwörend auf mich ein. Wir sind auf einem Netzwerktreffen und sprechen über Websites.

Ich lasse seinen Satz so stehen, doch er verfolgt mich: Ist eine 360°-Aufnahme meines Arbeitszimmers wirklich unabdingbar? So sehr, dass mich andernfalls keiner buchen will? Spontan scheint mir das unsinnig, doch die Frage bleibt: Auf welchen Marketing-Zug sollen und müssen wir aufspringen? Muss ich wirklich jeden Marketing-Trend mitmachen?

Ich meine: Formate und Plattformen kommen und gehen. Nicht jeder Hype wird gleich zum Trend. Kennen Sie Snapchat? Die Plattform war das heiße Ding auf der diesjährigen re:publica. Bei t3n, dem Magazin für „digital pioneers“, sieht man hingegen „Ephemeral“ im Aufwind. Snapchat ist doch von 2014 ….

Marketing-Trends: Hilft’s beim Verkaufen?

Bekanntermaßen sind Leistungen in der Weiterbildung besondere Güter. Will ich die Frage nach lohnenswerten Trends beantworten, muss ich mich fragen, wie sich diese Leistungen verkaufen:

Treffe ich meine Zielgruppe an?

Bei 360°-Fotos stellt sich die Frage natürlich nicht. Wenn es um Social-Media-Plattformen geht, sieht die Welt schon anders aus.

Sagen wir, dass jeder von uns an die 150 tatsächliche, persönliche Kontakte aufbauen und pflegen kann (Dunbar-Zahl). Vermutlich lassen sich auf jeder Plattform von Instagram bis Pinterest grundsätzlich ausreichend viele Kontakte knüpfen.

Doch wie lohnenswert ist der Aufwand?

Meine Empfehlung heißt:

  • Suchen Sie sich die wichtigsten Plattformen Ihrer Zielgruppe.
  • Plattformen sind so spannend wie die Bekannten, die sich dort treffen. Bleiben Sie aufmerksam dafür, wo sich Ihre Bekannten austauschen.
  • Entscheiden Sie, wie viele Plattformen Sie bedienen können und wollen
  • und ob Sie sie gerne nutzen.
  • Daraus leiten Sie Ihr Social-Media-Portfolio ab.

In der Weiterbildung haben die alten Bekannten Xing, LinkedIn, Facebook, YouTube und Twitter eine hohe Verbreitung, so dass man kaum darum herum kommt. Für die Ewigkeit ist Ihr einmal ausgewähltes Portfolio jedoch nicht gedacht. Denken Sie etwa an WhatsApp, das zumindest in meinem Bekanntenkreis zum Standard für die kurzfristige Abstimmung geworden ist.

Schafft es Vertrauen?

Eine 360°-Aufnahme von einem leeren Coachingraum finde ich ein bisschen langweilig. Eine Szene, in der ein Trainerteam ein Semiar vorbereitet und diskutiert, mit Flipcharts und Moderatorenleinwand und allem was dazu gehört, macht schon mehr her.

Wie so oft ist die Technik für sich genommen weniger spannend als das, was man daraus macht. Deshalb sage ich in bester Beratermanier: Es kommt darauf an.

Auch bei der Bewertung einer neuen Plattform denke ich: Es kommt darauf an. Die Plattform ist ein Hilfsmittel für die Kommunikation und die Beziehungspflege. Wenn es Ihnen gelingt, die neue Plattform mit Leben zu füllen – super! Nur eine weitere Kommunikationsruine braucht keiner.

Kann ich meine Leistung erklären?

Eine Flasche Bier muss man nicht erklären. Eine Tafel Schokolade auch nicht. Bei einem World Cafe kann man nicht sicher sein. Es kommt auf die Zielgruppe an. Leistungen in der Weiterbildung sind nicht zuletzt deshalb beratungsintensiv, weil jeder Trainer, Berater und Coach seine eigene Handschrift pflegt. Beratung ist nicht gleich Beratung und Training nicht gleich Training. Da muss man schon mal genauer sagen, was gemeint ist.

Hilft eine 360°-Aufnahme dabei, das persönliche Coachingverständis zu klären? Erklärt sie die Stärken eines World Cafes? Vielleicht fehlen mir die Ideen, doch im Moment scheint mir ein Video näher zu liegen.

Und wie sieht es mit WhatsApp aus? Oder mit Snapchat? Mir wäre die Tipperei zu mühsam. Ich würde schlicht und altmodisch zum Telefon greifen.

Präsentiere ich mich als Gleicher unter Gleichen?

Menschen tun sich gerne mit Menschen der gleichen sozialen Herde zusammen. Eine Website kommuniziert mit ihrem Betrachter auch auf der Ebene: Eine Website ohne Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und ohne Video hinterlässt ein anderes Gefühl, als eine Website mit diesem Möglichkeiten.

Wenn ich Trainer oder Coach wäre, wäre mir eine technisch zeitgemäße Seite wichtig: Als Trainer oder Coach haben Sie es fast immer mit mehreren Ansprechpartnern verschiedenen Alters in Unternehmen zu tun. Mal wird die Referentin oder der Assistent vorgeschickt, um eine Weiterbildungsanbieter vorauszuwählen. Mal muss ein Personalentscheider einen Trainer für eine altersgemischte Gruppe auswählen.

Einem 30-jährigen ist die Online-Technologie so selbstverständlich, dass er sich in veralteten Auftritten nicht wieder erkennt. Auch ein Personalentscheider hat großes Interesse daran, dass der ausgewählte Trainer oder Berater von seinen Kollegen akzeptiert wird. Die technologische Vollverwerigerung wird nach meiner Einschätzung zum Problem. So schießt man sich ins Aus.

Ist es besser als alles andere?

Wirtschaftlich zu handeln heißt: Mit gegebenen Mitteln möglichst viel erreichen. Oder Sie versuchen ein Ziel mit möglichst wenig zu erreichen.

Im ersten Fall setzen Sie sich ein Budgetlimit und versuchen, das Beste herauszuholen. Im zweiten Fall setzen Sie sich ein Ziel wie „12 Kunden pro Jahr“ und versuchen, möglichst wenig dafür auszugeben.

Im konkreten Fall müssen Sie sich überlegen, was Sie wirklich für die Kundengewinnung brauchen. Wenn Sie diese Felder abgedeckt haben und noch Kraft und/oder Budget übrig bleibt, finde ich es toll, mal etwas Neues auszuprobieren.

Tatsächlich aber treffe ich auf unzählige Online-Auftritte, die überaltert sind und keinem erkennbaren Konzept folgen. Hier finde ich: Erst die Pflicht, dann die Kür. Fotos, Texte, Nutzerführung und die wichtigsten Social-Media-Plattformen stehen an erster Stelle. Wenn das getan ist, reden wir über Snapchat & Co..

 

 

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