Weshalb die Positionierung keinen Einfluss auf die Vielfalt deiner Arbeit hat

  • Wie du eine spannende Positionierung abseits ausgetretener Pfade findest.
  • Weshalb es für dich als Vollblut-Coach oder -trainer fast egal ist, durch welches Tor du zu deinem Kunden gehst.

Trainer und Coaches wissen sehr wohl, wozu eine Positionierung gut ist. Aber mögen? – Nein, mögen ist wirklich zu viel verlangt. Dieses Sich-Festlegen. Nur noch das Eine machen. Diese Langeweile. Positionierung steht für Schmalspur. Enge. Reduktion. Hat man sich dafür selbständig gemacht?

„Du nimmst den Leuten etwas weg“, hat ein Bekannter zu mir gesagt. Damit tut man der Positionierung Unrecht. Finde ich.

Die Vielfalt entdecken

Branche, Funktion, Kundentyp: Das ist der Dreiklang, in dem sich die Diskussion um die Positionierung meist bewegt. „Führungskräfte im mittleren Management einer Bank“ ist eine typische Umsetzung.

Dann hört die Fantasie auf. Eine solche Positionierung ist in Ordnung, das kann man so machen. Muss man aber nicht. Es gibt mehr. Eine Auswahl:

  • Branche
    Handel, Banken, Versicherungen und Industrie dominieren die Positionierungsgespräche. Denk auch einmal an so etwas wie regionale Versorgungswerke, Kommunen oder Wissenschaftler. Ein Insider hat mir gerade von den Arbeitsbedingungen im Obstanbau erzählt: Da mischen sich große Umsätze, Arbeit am Rande der Selbstausbeutung seitens der Inhaber und schwache innere Strukturen. „Coaching gegen Burnout – das wäre mal was“, war das spontane Feedback. In speziellen Nischen steckt eine Menge Potential.
  • Hierarchie/Funktion
    Zielgruppen, die alle haben wollen, sind Führungskräfte jeder Stufe, Vertriebsleute und Projektmanager. Andere Positionen mit schwierigen kommunikativen Aufgaben sind zum Beispiel Interimmanager, Freelancer, Sanitäter und Rettungskräfte: Letztere müssen immer mehr mit zudringlichen und aggressiven Zuschauern zurecht kommen. Wer hat noch besondere Kommunikationsaufgaben? Überleg doch mal.
  • Aufgaben/Probleme
    Der Begriff „Change“ fällt in jedem Gespräch mit einem Trainer oder Coach. Kein Wunder, niemand bucht einen Trainer, weil alles beim Alten bleiben soll. Entweder ist eine bestimmte Veränderung gefordert oder die Veränderungsfähigkeit an sich. Die Auftraggeber von Trainern und Coaches sprechen offenbar selbst vom „Change“, weshalb das Wort kaum zu vermeiden ist. Ich wünsche es mir dennoch genauer: Sind Branchen mit besonderem Veränderungsdruck gemeint, wie Versandhändler und Banken, oder Unternehmen mit einer mindestens 90-jähringen Geschichte, deren Herkunft gleichermaßen Last wie Reichtum ist? Oder welchen Change meinst du?
  • Methoden
    Wer die Methodik in den Vordergrund rückt, muss aufpassen, mit wem er spricht: HR-Fachleute können eine systemische Organisationsentwicklung oder Whing-wave-Coaching einordnen, Endkunden in der Regel nicht.
  • Persönlichkeitstypen
    Wenn du mit den bisherigen Kategorien nichts anfangen kannst, versuche es doch einmal mit Persönlichkeitstypen: Hast du besonderen Zugang zu Introvertierten oder Scannerpersönlichkeiten? Arbeitest du mit sensiblem Menschen oder solchen, die allzu nachgiebig sind?
  • Kommunikationstypen
    Auch die Art der Kommunikation kann ein Baustein deiner Positionierung sein: Sprichst du gerne mit Technikern, die einen formalen, sachlichen Stil bevorzugen und damit oft an ihre Grenzen stoßen? Oder mit temperamentvollen Menschen, die eine offene und kernige Ansprache mögen?

Bei welchen der Kategorien fühlst du dich abgeholt und kannst andocken? Besonders spannend sind Kombinationen.

Du kannst mit den klassischen Kategorien arbeiten wie Branche und Funktion. Das muss aber nicht so sein. Genauso kannst du dich mit Kommunikationsstilen oder Persönlichkeitstypen positionieren.

Mit einem Thema einsteigen, alle Kompetenzen nutzen

Du bist noch immer nicht überzeugt? Das ist dir immer noch alles zu eng? Meine Beobachtung ist die: Die Positionierung weckt die Aufmerksamkeit des Kunden. Sie macht neugierig und gibt ihm das Gefühl, dass ihr beide zusammen passt. Bist du einmal in der Zusammenarbeit, öffnet sich die Tür:

Du bist in Kontakt mit den Mitarbeitern und allem, was Organisation und Zusammenarbeit ausmacht.

Du denkst, eine Positionierung schnürt inhaltlich und methodisch ein? Dann schau dir mal die beiden Beispiele an:

Persönlichkeits- und Organisationsentwickler gegen die Zeitnot

Ein Trainer, Berater und Coach für Zeitmanagement hat auf seiner ToDo-Liste:

  • Abgleich seiner Tools mit den Bedürfnissen seiner Kunden.
  • Neue und bewährte Modelle und Tools.
  • Zeitmanagement in Unternehmen und Organisationen: Seminare und Trainings mit den Themen Prozesse, Glaubenssätze und Kultur.
  • Zeitmanagement für Einzelpersonen: Auch hier arbeitet er mit Glaubenssätze und Blockaden und bietet Lösungen an. Im Coaching geht es ihm wie jedem anderen auch: Du steigst an einem Punkt ein. Tatsächlich aber hast du es immer mit dem ganzen Menschen zu tun.

Unser Experte für Zeitmanagement hat deshalb Verhaltenstraining, Prozesse, Organisationsentwicklung und Persönlichkeitsentwicklung auf dem Zettel. Darüber hinaus ist er Trendscout und Kompass für seine Auftraggeber. Nicht schlecht, oder?

Zahlenkönig mit Führungsqualitäten

Ein Kunde von mir ist Berater für Online-Business. Auf den ersten Blick könnte die Arbeit nicht trockener sein: Er analysiert Zahlenkolonnen und spricht seinem Auftraggeber auf deren Basis Empfehlungen für das Online-Geschäft aus.

Tatsächlich aber ist er seit Jahr und Tag Führungskraft. Er prüft, wie die Teams seiner Auftraggeber aufgestellt sind. Wie sich die Mitarbeiter abstimmen und ob das Zielsystem hilfreich ist. Er erinnert die Mitarbeiter an ihre Stärken und entwickelt sie weiter. Damit ist er nicht nur Fachexperte, sondern auch Coach und Teamentwickler. Zugleich unterstützt er die Führungskräfte in ihrer Führungsarbeit.

Durch eine Pforte gehen, Menschen treffen

An welcher Stelle du auch immer in das Gespräch mit deinem Kunden einsteigst. Was auch immer deine „Selling Proposition“ ist: Du triffst immer auf Menschen, ihre Persönlichkeiten und ihre Werte. Und meist kommst du auch mit Teams in Kontakt.

Die „Ganzheitlichkeit“ deiner Arbeit ist nichts, was du extra suchen musst. Sie kommt sowieso auf dich zu, weil es um Menschen geht. Und die lassen sich nun einmal nicht teilen.

Wäre einfach zu schön, wenn ich dir ein Stück deiner Positionierungsangst nehmen könnte. Dich zwackt es immer noch? Dann schreib mir doch mal.

 

 

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