Weshalb Sie nicht auf die Statistiken hören sollten.

Die Stiftung Warentest hat Personaler gefragt, wie sie Weiterbildungsanbieter suchen. Eine spannende Frage für Trainer, Berater und Coachs: Wo platzieren Sie am besten Ihr Trainermarketing, damit sie von den Personalleuten gefunden werden?

20 Prozent suchen bei Twitter & Co.

Um es gleich zu sagen: Die Social Media kamen schlecht weg. Ganze 20 Prozent der Personalleute recherchieren Weiterbildungsanbieter bei Twitter & Co. Das Befragungsergebnis deckt sich mit dem, was viele Trainer, Berater und Coachs erleben: „Per Twitter habe ich noch nie einen Auftrag bekommen!“

Interessant ist deshalb weniger das Ergebnis als die Weltsicht, die in der Frage steckt. Es scheint so naheliegend: Ein Trainer, Berater oder Coach eröffnet einen Account bei Twitter, Facebook oder Xing, schart viele Freunde und Follower um sich – und Dank der großen Reichweite stellen sich die Aufträge ein.

Über Jahrzehnte haben wir alle gelernt, dass Werbung so funktioniert: Man suche sich eine Plattform mit einer möglichst großen Zahl an Zuhörern und veröffentliche sein Angebot. Wer Bedarf hat, der meldet sich. Je höher die Reichweite, desto wahrscheinlicher der Erfolg.

Bei den Social Media funktioniert das nicht. Viele Weiterbildungsanbieter sind ratlos. Was läuft falsch?

Man kann es nicht oft genug wiederholen:
Social Media sind Netzwerke. Wie in anderen Netzwerken sollte es das Ziel sein, stabile Beziehungen zu Personen aufzubauen, die Empfehlungen aussprechen können.

 

77 Prozent setzen auf persönliche Empfehlungen

Wie viel Potential in der Empfehlung steckt, zeigt ein zweites Ergebnis der Befragung: 77 Prozent der Personaler verlassen sich auf persönliche Empfehlungen.

Die Bezugsgröße sind also Menschen.

Die Befragung sagt nichts darüber, wie die Empfehlungen ausgesprochen wurden: unter vier Augen, am Telefon – oder in einer Nachricht bei Xing und Facebook. Hier liegt der Dreh:

Die Social Media werden erst richtig spannend, wenn man sie als Kommunikationsmittel im Netzwerk versteht.

Eine Empfehlung per E-Mail auszusprechen – das klingt auch für 40- und 50-Jährige vertraut. Jüngere nutzen WhatsApp oder eine andere Plattform. Das ist der Unterschied.

Die Zeit arbeitet für die Social Media. Menschen, die um 1980 oder später geboren wurden, nutzen die Internetmedien wie ihre Eltern das Telefon. Die Social Media sind Kanäle, um mit Freunden, Bekannten und Partnern in Kontakt zu bleiben: „Ich bin online, also bin ich„, beschreibt das Lebensgefühl zutreffend. Zugleich sind die Jahrgänge um 1980 inzwischen Mitte 30 und längst auf dem Weg in die Führungsetagen. Sie werden unserer Art zu kommunizieren ihren Stempel aufdrücken. Eine Coaching-Kollegin hat von ihren Erfahrungen berichtet.

Social Media sind weniger eine Alternative zu Fachzeitschriften als eine Alternative zum Telefon. Ihre Bedeutung liegt darin, Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Wenn Befragungen das Modell „Fachzeitschrift“ im Sinn haben, werden sie den Social Media nicht gerecht.

Meine Empfehlung ist deshalb:
Seien Sie in den Social Media präsent, damit Sie präsent bleiben,
und lassen Sie sich nicht vom Internet erschrecken: Die Menschen reden miteinander. Sie haben immer miteinander geredet. Sie nutzen nur andere Kanäle.

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