Die Evaluation als Beispiel für automatisierte Kommunikation in der Weiterbildung

„Mit unserer Software können Trainer die Beziehung zu ihren Teilnehmern stärken“, stand in der E-Mail, die eines Tages in mein Postfach einging. Der Film in meinem Kopf ließ nicht lange auf sich warten: Automatisierte E-Mails – Beziehung stärken?! – Wie geht denn das?

David Maurer von EVALEA hat mir geantwortet und ein Bild für ein Szenario gezeichnet. Herzlichen Dank für das Interview!

EVALEA – die Idee

quiVendo: Wie ist die Idee zu Ihrer Software entstanden?

David Maurer: Wir kommen aus der Evaluierung und hatten bereits eine Lösung. Trainer haben uns angesprochen: Sie wollten nicht nur den Praxistransfer prüfen, sondern auch unterstützen.

quiVendo: Was bietet Ihre Software an?

David Maurer: Mit unserem Transfersystem stellen wir Trainern eine Möglichkeit zur Verfügung, vor und nach einem Präsenztermin Impulse zu setzen wie Inhalte versenden, die Organisation abstimmen oder Wünsche und Ziele abfragen.

Dazu haben wir eine übersichtliche Plattform als Web-Lösung entwickelt. Trainer können ihren Kommunikationsprozess in seiner Grundstruktur einmal aufsetzen und anschließend automatisiert versenden.

Automatisierte Kommunikation für den Praxistransfer

quiVendo: Können Sie uns ein Beispiel skizzieren?

David Maurer: In der einfachsten Variante nutzt der Trainer die Software für die Organisation: Er versendet eine Einladung, Trainingsunterlagen und die Fotoprotokolle. Er fragt im Anschluss an den Präsenztermin das direkte Feedback ab und wiederholt die Abfrage noch einmal nach vier Wochen.

Wir wünschen uns allerdings mehr, nämlich dass der Trainer mit Hilfe der Software den Praxistransfer fördert:

Dazu kann er im Vorfeld Wünsche und Schwerpunkte abfragen. Ergänzende Informationen zu Diskussionen versenden. Die Umsetzung in die Praxis nach zwei Wochen, vier Wochen und sechs Monaten abfragen. Und er kann Mails zur Motivation versenden, in denen er den Teilnehmern Themen des Trainings wieder ins Gedächtnis ruft.

Die Kommunikation geht natürlich nicht nur in die eine Richtung, sondern auch zurück: Die Teilnehmer können antworten. Abhängig von ihrem Feedback kann der Trainer zum Beispiel ergänzende Coachings anbieten.

Die Vereinfachung für den Trainer besteht in der Zeitersparnis. Zugleich gehen die Antworten schön sortiert nach Projekten in seinem Postfach ein. Dies erleichtert ihm die Übersicht.

Das EVALEA Transfersystem kann als E-Learning-Plattform genutzt werden. Wir sehen sie jedoch lieber als Unterstützung für ein Blended Learning. Unser Idealbild heißt: Weg vom Acht-Stunden-Training, hin zu einem integrierten Lernerlebnis, das zum Beispiel drei Monate dauert. Damit kann der Trainer auch seine eigenen Leistungen ganz anders vermarkten.

„Der wahre Wert eines Trainings“ – ein (zu) großes Versprechen (?)

quiVendo: Auf Ihrer Website versprechen Sie Unternehmen, den „wahren Wert“ eines Trainings zu ermitteln. Was für ein Versprechen! Wie geht denn das?

David Maurer: Die Evaluation ist das Stiefkind der Weiterbildung, auch in den Unternehmen. Wir haben festgestellt, dass es wenig sinnvoll ist, ein Unternehmen sofort von Null auf Hundert hochzustarten. Wir bieten deshalb einen Stufenprozess an.

  • Stufe 1: Eine direkte Reaktionsabfrage nach jeder Maßnahme.
  • Stufe 2: Den Transfer erfassen: Die Teilnehmer nach den Schwierigkeiten bei der Umsetzung fragen.
  • Stufe 3: Die Führungskraft nach den Veränderungen fragen.
  • Stufe 4: Individualisierte Evaluationsbogen: Jeder Teilnehmer setzt sich Ziele und berichtet, inwieweit er sie erreicht hat.
  • Stufe 5: Beratung von EVALEA in Weiterbildungsprojekten: Festlegen von Erfolgsgrößen und Implementierung im System. An diesem Punkt kommen wir dahin, den „wahren Wert“ einer Maßnahme zu erfassen.

Evaluation: Nicht noch ein Wissenschaftsmodell!

quiVendo: Was ist das Besondere an Ihrer Lösung?

David Maurer: EVALEA ist eine Ausgründung der Universität Bayreuth. Von daher kennen wir die wissenschaftlichen Modelle vorwärts und rückwärts. Wir wollten nicht noch ein weiteres Wissenschaftsmodell entwerfen, sondern eine praktische Lösung schaffen.

Die Evaluation scheitert ja oft an ganz einfachen Dingen: Es ist zum Beispiel ungemein mühsam, Bewertungsbögen abzutippen und auszuwerten. Von daher ist allein die digitale Abfrage für sich schon ein Fortschritt. Zudem bieten wir Benchmarkings an und legen den Blick frei für alternative Handlungsperspektiven.

Transfer-Hürden in den Unternehmen offen legen

quiVendo: Ist das nicht unangenehm für die Trainer? Nach dem Präsenztermin haben sie keinen Einfluss mehr und sollen sich an irgendwelchen Zahlen messen lassen?

David Maurer: Wir sehen sogar eine Chance für die Trainer. Denn wenn es mit der Umsetzung hapert, können sie oft nichts dafür: Die Teilnehmer haben Angst vor der Umsetzung oder die Führungskräfte geben zu wenig Zeit.

Diese Hürden können Trainer aber nur aufdecken, wenn sie über die direkte Abfrage hinaus nach vier oder sechs Wochen noch einmal Feedback einholen. Diese Ergebnisse können sie den Personalentscheidern vorlegen.

quiVendo: Vielen Dank, Herr Maurer! Gibt es noch etwas, was Sie als Botschaft mitgeben möchten?

David Maurer: Weniger Angst. Es ist völlig in Ordnung, klein anzufangen und sich Schritt für Schritt vorzutasten. Einfach anfangen und sehen, wie die Teilnehmer reagieren. Meist reagieren sie nämlich gut.

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David Maurer, EVALEA GmbH, Geschäftsführer

David Maurer, EVALEA GmbH, Geschäftsführer

David Maurer ist Mitgründer und Geschäftsführer der Evalea GmbH. Hier unterstützt er Unternehmen und Trainer bei der Evaluation und Transfersicherung von Weiterbildungsmaßnahmen. Parallel promoviert er an der TU Kaiserslautern zum Thema Evaluation.

 

 

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