Was Trainer und Coaches sagen, wenn sie Wertschätzung für sich reklamieren

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Ich kann es nicht mehr hören. Wirklich nicht. Mein persönliches Unwort des Jahres kenne ich jetzt schon. Es heißt „Wertschätzung“.

Aus jeder Ecke schallt es mir entgegen: „Ich begegne meinen Kunden mit Wertschätzung“. Ich habe es einfach dreimal zu oft gehört. Und außerdem frage ich mich, was mir der jeweilige Trainer oder Coach sagen will.

Bitte, verschaukeln Sie mich nicht

Stellen wir uns vor, ich bin ein Unternehmer oder ein Privatmensch und stelle fest: „Ich muss mich verändern. So geht es nicht weiter.“ Ich suche mir also einen Trainer oder Coach, öffne mein Herz einen Spalt weit und gebe Einblick in das, was mir im Privaten oder im Berufsleben schlaflose Nächte bereitet.

Mag sein, dass ich mich von außen gesehen ein bisschen dumm anstelle. Aber ich tue es nicht mit Absicht und immerhin ist meine Einsicht so weit gereift, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, die Lücke zu schließen. Ich hoffe also auf wohlwollende Unterstützung, so wie ich es in Schülertagen im besten Falle von meinen Lehrern oder in meiner Familie erfahren habe.

Nun verspricht mir der Trainer oder Coach seine Wertschätzung. Wie wäre es denn, wenn er mir nicht wertschätzend begegnen würde? Er könnte herablassend auf mich blicken und sich über meine Schwächen lustig machen. Noch schlimmer: Er könnte das Moment der Überlegenheit nutzen, um mich zu treten.

Einen herablassenden Menschen nennt man arrogant.
Ein Mensch, der einen Schwächeren tritt, ist ein Idiot.

Ein Trainer oder Coach, der mir Wertschätzung verspricht, sagt mir im Kern: „Ich werde Deine Offenheit nicht missbrauchen. Ich bin weder arrogant noch ein Idiot.“

Das finde ich positiv, besonders wenn ich, wie im Falle des Coachings, pro Stunde 180 oder 250 Euro auf den Tisch lege.

Also, mal ehrlich, liebe Trainer und Coaches, als Ihr Kunde kann ich das ja wohl erwarten!

Wertschätzung et al. Noch mehr Phrasen

Vorsicht vor den immer wieder bemühten Phrasen des Trainermarketing. Sie sind nicht nur verbraucht, sondern entpuppen sich bei näherer Betrachtung allzu oft als leere Hüllen. Wenn Sie unsicher sind, verkehren Sie das Wort einfach ins Gegenteil und prüfen, was übrig bleibt. Noch zwei Beispiele?

  • „Meine Coachings sind handlungsorientiert“
    Prima, wenn ich mich ausheulen will, gehe ich nämlich zu meiner Freundin.
  • „Meine Seminare sind praxisorientiert“
    Deshalb gehe ich zu einem Trainer oder Coach. Für die Theorie sind Dozenten die erste Wahl.

Vieles von dem, worüber ich mich hier lustig mache, ist Alltag im Trainergeschäft. Ich weiß. Doch es ist eines Profis unwürdig. Mit wem also vergleichen Sie sich?

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von Martina Baehr „Wandel durch Wertschätzung„.

 

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