Deine Schreibblockade will Dir etwas sagen

Deine Schreibblockade will Dir etwas sagen

Balzac zerreißt sein Manuskript, Brentano rauft sich die Haare, E.T.A. Hoffmann starrt ins Leere: Das Bild von der Schreibblockade weckt die Fantasie und lädt ein, von eigenen Erfahrungen zu berichten.

  • Fünf Gründe, weshalb dein Artikel einfach nicht in Fluss kommt
  • und wie du deine Schreibblockade abbaust.

Offenbar geht es nicht nur mir so: Der PR-Doktor Kerstin Hoffmann hat zu einer “Blogparade Schreibblockade” aufgerufen und bereits über 40 Autoren für einen Beitrag gewonnen. Viele beschäftigen sich mit Glaubenssätzen und psychologischen Hürden.

Fünf Gründe für eine Schreibblockade

Darin steckt viel Wahres und dennoch möchte ich mit meinem Beitrag etwas dazu tun, Schreibblockaden zu entmystifizieren. Manchmal gibt es nämlich ganz einfache Gründe:

Es gibt nichts zu schreiben. Das Thema fehlt.

Ist die Woche mit zu vielen Aufgaben gefüllt, kann das schon einmal passieren: Ich habe einfach keine Idee. Gute Ideen entstehen beim Lesen, Recherchieren, Denken und Reden. Fehlt die Muße, fehlen die Ideen.

So wenig schmeichelhaft die Diagnose auch ist. Sie hilft, an der richtigen Stelle nach Lösungen zu suchen.

Gleiches gilt für den nächsten Punkt.

Der Gedanke ist noch nicht reif.

Ich bin schon einen Schritt weiter. Für einen publikationsreifen Artikel reicht es dennoch nicht.

„Nicht reif“ kann eine Menge bedeuten: Ich weiß zu wenig über das Thema. Ich bin mit dem Aufbau und den Argumenten unzufrieden. Ich habe das Thema noch nicht auf den Punkt gebracht, weil mir zu viel Beiwerk im Kopf herumschwirrt.

Wie auch immer die Gründe genau sind: In diesem Fall heißt es: zurück treten und neu nachdenken.

Wenn du auf gleichbleibende Qualität Wert legst, ist es wirklich besser, deinen Gedanken reifen zu lassen. Eben habe ich es ausprobiert und einer Testleserin meines Vertrauens einen halbgaren Artikel zum Lesen gegeben. Das Seifige daran hat sie sofort gespürt. Man kann Lesern nichts vormachen: Ein Artikel ist nur so gut, wie der Gedanke, der darin steckt.

Ich finde meinen eigenen Artikel banal.

Es gibt diese Artikel, die man schreiben kann. Oder man lässt es. Sie sind nicht falsch, aber die Welt kommt ganz gut ohne sie aus. Butter-und-Brot-Artikel helfen dabei, den selbst gesteckten Publikationsplan einzuhalten – mehr aber nicht. Und ob sie dann gut für den Image-Aufbau sind, bezweifele ich.

Wenn sich schon der Autor langweilt – was soll dann erst der Leser denken? Er spürt, wie es dem Autoren mit seinem Artikel geht.

Ein Gefühl von „was ich schon immer mal sagen wollte“ hingegen hat sich als früher Indikator für zahlreiche Leserreaktionen erwiesen.

Ich stehe massiv unter Zeitdruck.

Es ist ein gutes Gefühl, abends den Rechner abzuschalten und zu wissen, dass etwas geschafft ist. Wenn Zug auf dem Seil ist, finde ich das prima. Hektik hingegen ist zu viel. Ein schöner, gut aufgebauter Artikel gelingt mir dann einfach nicht.

Über ideale Arbeitsbedingungen lässt sich wenig Allgemeines sagen. Jeder hat seinen eigenen Wohlfühl-Korridor.

Für meinen Teil kann ich sagen, dass gute Artikel nicht zu jedem Zeitpunkt gleichermaßen gelingen. Ich habe über die Jahre gelernt und eingesehen, dass es besser ist, darauf Rücksicht zu nehmen.

Unbehagen mit dem Texten an sich, weil die Übung fehlt

Nach Jahren in meinem Beruf passiert mir das zum Glück kaum noch. Doch ich kann mich noch gut an meine Anfänge erinnern: Zu Beginn habe ich mir meine Artikel mit großer Anstrengung abgerungen. Ich habe mit ihnen gekämpft wie mit Ungeheuern. Nach und nach wurde es leichter.

Bevor dir jede Lust am Schreiben vergeht: Such dir Unterstützung bei einem Freund oder Lektor und lass ihn deinen Artikel vorab lesen.

Der Gewinn ist ein dreifacher: Du gehst gelöster ans Werk, weil du dich sicherer fühlst. Dein Lesepartner sorgt für gleichbleibende Qualität, weil er dich auf Fehler und Gedankensprünge hinweist. Und der Artikel wird schneller fertig. Das einsame Ringen mit Worten hat ein Ende.

Kurz und gut: Ich glaube, dass sich bei einer Schreibblockade die innere Qualitätsprüfung zu Wort meldet und mich vor Dummheiten schützen will.

Das ist doch wirklich anständig von ihr. Weshalb sollte ich mich gegen sie wehren und mit Tricks zum Schweigen bringen? Die Schreibblockade ist eine Variante der inneren Stimme und ich finde, man darf ihr ruhig Gehör schenken.

Update zur Erstveröffentlichung vom 1. November 2013

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