Wörter, Artikel, inhaltliche Tiefe: Antworten auf drei Fragen nach dem „Wie viel?“ beim Bloggen

  • Die Frage nach Zahlen und Mengen führt in die Irre:
  • Achte auf das, was dein Kunde wissen muss, um dich zu beauftragen.

Wie viele Wörter soll ich schreiben?

Im Netz findest du zahlreiche Autoren, die Artikel im Umfang von 1.000 Wörtern empfehlen. Ihr Argument lautet: Ein umfangreicher Artikel ist ein Ausweis dafür, dass du zu deinem Thema etwas zu sagen hast – ein wichtiges Signal für deine Leser und zugleich für Google. Es kommt auf den Umfang, den Mehrwert für den Leser und die Qualität an – so der Tenor.

Mir geht es oft so, dass ich nach etwa 800 Wörtern meinen Gedanken ausgebreitet habe. Der Artikel hat die notwendige Tiefe, sein Tempo und seinen Atem. Wollte ich noch 200 Wörter anbauen, müsste ich mit Füllwörtern und -sätzen operieren. Das möchte ich nicht und höre auf, wenn ich fertig bin.

Dazu ermutigt fühle ich mich von Google selbst. In der „Einführung in die Suchmaschinenoptimierung“ heißt es: „Nützlicher und fesselnder Content wird wahrscheinlich eure Website stärker beeinflussen als alle anderen Faktoren, die wir hier diskutieren.“ Und etwas weiter: „Erzeugt Content hauptsächlich für eure Nutzer, nicht für Suchmaschinen.“

Na, wenn uns schon Google auf Leser-Freundlichkeit einschwört, lasse ich mich doch gerne darauf ein! Leser mögen es, kompakt und gut informiert zu werden.

Sie schätzen einen freundlichen und zugewandten Tonfall. Dass ein Artikel in der Lesergunst deshalb durchfällt, weil 150 Wörter fehlen, kann ich nicht glauben.

Empfehlungen sind oft aus dem Zusammenhang gerissen

Dennoch hat die 1.000-Wörter-Regel ihren Weg ins Netz gefunden. Oft gehen solche Aussagen auf statistischen Auswertungen großer Kommunikationsunternehmen zurück: Ein international tätiger Anbieter für Suchmaschinenoptimierung etwa wertet aus, wie häufig Artikel geteilt werden und stellt das Ergebnis mit dem Umfang der Artikel in einen Zusammenhang.

Die PR-Leute dieses Kommunikationsunternehmens schreiben einen schönen Artikel. Sie entwerfen eine griffige Überschrift – und schon macht der Artikel seine Runde. Der eine schreibt vom anderen ab. Und zum Schluss kann keiner mehr nachvollziehen, woher die Zahl eigentlich kam und worin genau ihre Aussage liegt.

Vorsicht vor der Scheinobjektivität von Zahlen! Jeder Blogger freut sich, wenn seine Artikel gelesen, freundlich kommentiert und geteilt werden. Es ist das emotionale Gehalt des oft erheblichen Einsatzes. Doch wir Business Blogger sind vor allem auf der Suche nach Kunden. Ist das Geteilt-Werden unter dem Blickpunkt immer das Wichtigste?

Gerne möchte ich dich für gesunden Skeptizismus gewinnen: Was willst du mit dem Artikel, an dem du gerade arbeitest, erreichen? Neu-Kunden bei ihrer Entscheidung unterstützen? Reichweite gewinnen? Dein Profil schärfen? Und was ist angesichts deines Ziels die passende Kennzahl?

Im Netz wird viel kopiert und verallgemeinert. Lass dir bitte nicht die Sicht vernebeln!

Wie viele Artikel soll ich schreiben?

Diese Frage hat ihren Ursprung in den Anfängen des Bloggens. In vielen Agenturen galt die Regel: zwei Artikel pro Woche. Viel zu bloggen war das Gebot der Stunde.

Mit der Zeit haben die Blogger jedoch festgestellt, dass sie mit einer überschaubaren Zahl von Artikeln den größten Teil ihrer Besucher auf ihre Webseite ziehen.

Wäre es da nicht schlauer, eine maßvolle Anzahl zugkräftiger Artikel zu schreiben, diese regelmäßig zu optimieren und so anzureichern, dass sie zu Leads führen?

Eine rhetorische Frage, natürlich. Genau das ist nämlich mein Tipp: Stelle dir ein Themenset zusammen, das für deine Kunden wichtig und aussagekräftig ist. Optimiere die Artikel im Laufe der Zeit und bringe sie in angemessenen Zeitabständen wieder ins Spiel.

Du wirst immer einmal alte Artikel aussortieren und durch neue ersetzen. Doch dass du dir bis zum jüngsten Gericht ungezählte neue Themenideen abringen musst – das brauchst du wirklich nicht.

Wie viel Inhalt soll ich preisgeben?

Oder anders gefragt: Wie viel Inhalt solltest du verschenken? Mach dir klar, worin deine eigentliche Leistung besteht und bohre tief. Was ich damit meine? Hier ein Beispiel:

Du bist Coach und bietest Coaching an. – Ja.
Du hilfst bei Karriereentscheidungen. – Ja.

Die beiden Fragen bleiben auf der praktischen, greifbaren Ebene. Frage dich: Welche Leistung steckt dahinter?

Deine Klienten haben die Chance, ihre Persönlichkeit zu erkunden. – Ja.
Sie lernen, Abstand von sich zu nehmen und sich zu steuern. – Ja.

Diese beiden Aussagen stellen auf die handwerkliche Ebene ab. Doch noch bist du nicht am Grund angekommen. Was steckt noch dahinter?

Sie schließen Frieden mit sich. – Aha!

Diese Aussage zielt auf die Sehnsucht, auf den oft unausgesprochene Wunsch deines Kunden.

Die Antworten sind natürlich individuell. Das Verkaufsversprechen des Beispiel-Coachs lautet: Frieden mit sich schließen. Für dich ist die Antwort sicher eine andere.

Die Ideen für Artikel fließen, wenn das Verkaufsversprechen steht:

  • Woran erkennt ein Kunde, dass er das falsche Leben lebt?
  • Was passiert, wenn Menschen keinen Frieden mit sich haben? Welche Folgen hat das für sie und ihre Mitmenschen?
  • Woran liegt es, dass Menschen im Unfrieden mit sich leben?
  • Welche grundsätzlichen Möglichkeiten gibt es, dem entgegenzuwirken? Wie sind die Erfolgsaussichten einer Zusammenarbeit? Für wen eignet sich welcher Weg?
  • Welche Wege bevorzugst du und welche lehnst du ab? Weshalb?
  • Welche Erfahrungen haben Kunden von dir gemacht?

Das Verkaufsversprechen herauszuarbeiten, ist Teil der Positionierungsarbeit. Es lenkt den Blick weg von „was muss der Kunde tun, um seinen Frieden zu finden“ hin zu „was muss der Kunde wissen, damit er meine Leistung beauftragt„.

Auch hier ist die Welt nicht schwarz-weiß, sondern mit Grautönen angereichert. Dass du gelegentlich Tipps als Arbeitsprobe abgibst – geschenkt. Doch im Wesentlichen geht es auf dem Blog des Beispiel-Coachs um den persönlichen Unfrieden und seine Folgen – und nicht darum, wie man ihn loswird. Das nämlich ist Gegenstand des Coachings.


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