Spannend schreiben: Tipps für deine Blog-Artikel

Spannend schreiben: Tipps für deine Blog-Artikel

Zwei Muster für spannende Blog-Artikel, die deine Leser lieben.

Klassische Blog-Artikel haben seit einiger Zeit Geschwister: Podcasts und Videos. Sind Blog-Artikel deshalb altmodisch? Das denke ich nicht: Viele Menschen lesen gerne. Sie mögen das nun einmal: Viele entscheiden sich für Podcasts, Videos oder Artikel abhängig von der Situation, in der sie gerade sind. Beim Autofahren etwa sind Podcasts nun einmal praktisch.

Wahr ist allerdings: Spannend schreiben ist Autoren-Pflicht und wir Artikel-Schreiber müssen uns mehr anstrengen. Ungezählte Autoren haben schreckliche Texte in die Welt gesetzt. Das konnte man so machen: Texte hatten keine Konkurrenz. Viele erinnern sich schaudernd an langweilige Produktionen. So macht Lesen keinen Spaß. Verständlich.

Mehr Abwechslung im Aufbau deiner Blog-Artikel

Es gibt reichlich Schreibtechniken, die dir helfen, spannend zu schreiben und deine Artikel flüssig zu gestalten. Der Cliff Hanger ist ein Klassiker ebenso wie die Technik, das Kopf-Kino deines Lesers mit Wortwelten anzuwerfen.

Hier sind noch zwei weitere Ideen, die dich vor „Besinnungsromanen“ und ähnlichen Artikel-Unfällen bewahren: 

Gib deinem Thema eine Gestalt

Mach dein Thema zu einer Person oder zu einer Figur. Zwei prominente Beispiele sind

Gerade den Scheinriesen mag ich sehr: Aus der Ferne wirkt er bedrohlich. Doch sobald man ihm näher kommt, schrumpft er auf ein menschliches Maß. Schöner kann man die Angst vor dem Fremden nicht beschreiben!

Die Methode der Personifizierung eignet sich besonders bei schwierigen oder beängstigenden Themen. Sie hat gleich mehrere Vorteile: 

  • So lange du mit offensichtlich erdachten Figuren arbeitest, kannst du ihre Eigenschaften und ihr Verhalten problemlos überzeichnen. Du transportierst dein Anliegen eindeutig und klar. 
  • Zugleich ist es einfach, deine Geschichte mit einem Augenzwinkern zu erzählen. Auch der Humor hat also einen Platz.
  • Schließlich machst du deine Leser auf mögliche blinde Flecken aufmerksam, ohne ihnen gleich ins Gesicht zu springen oder anzugehen. Vordergründig geht es ja um die Figur. Der Leser ist frei, seine Schlüsse zu ziehen und deine Geschichte auf sich zu beziehen – oder eben nicht. 

Mehr Beispiele? Vor einigen Jahren habe ich das Leid der missachteten Webseite beklagt: „Fünf Wege, Ihre Webseite zu demotivieren“. Kürzlich wurde der Redaktionsplan zum treuen, jedoch allzu vertrauten Lebenspartner.

Eine bewusst straffe Struktur wählen

Wenn du weißt, dass deine Leser knappe und fokussierte Informationen schätzen, dann gib ihnen doch, was sie mögen.

Ob du deine Artikel stets in epischer Länge ausbreiten musst, ist ohnehin so eine Frage. Die Experten streiten sich. (Siehe auch: 3 Fragen zu Umfang und Mengen in Blog-Artikeln). Knackiger und besser zu lesen sind meist die zugespitzten Artikel. Wirf also ein Schlaglicht auf dein Thema und hebe dir eine erschöpfende Abhandlung für ein Buch auf. 

Beispiele für stark strukturierte Infos findest du überall:

  • Die Sendung “Quarks & Co.” überrascht uns Zuschauer regelmäßig mit den erstaunlichsten Fakten. Diese Highlights präsentieren die Fernsehmacher Schlag auf Schlag unter der Überschrift „Ding Nummer 1“ bis „Ding Nummer 10“. So zeigen sie die wichtigsten Fakten zum Staunen und Wissen, ohne unnötig Zeit zu verlieren. 

    Versuche, eine Aufzählung auf ein Thema deiner Wahl zu übertragen. Was hat dein Thema zu bieten? Fakten oder Impulse oder sind es Tipps? Die Tipp-Liste ist die bekannteste, aber nicht die einzige Ausprägung für stark strukturierte Info.
  • Was hältst du davon, einen Konflikt oder ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten: Was sehen im Falle eines Teamkonflikts etwa der Teamleiter, der Vorgesetzte und die Mitarbeiter? Und was fällt dir als Experte oder Expertin auf? Wenn dir die Struktur zusagt, kannst du an diesem Muster entlang sogar eine ganze Artikelreihe aufsetzen und die typischen Konflikte deines Arbeitsbereichs aufarbeiten. 
  • Von einem Verlag habe ich einmal einen „Waschzettel“ gefunden: Er präsentierte in viermal zwei Sätzen, was ich als Käuferin eines neuen Buchtitels wissen sollte: Worum geht es? Worum geht es wirklich? Was verpasse ich, wenn ich das Buch nicht lese? Was zeichnet die Autorin aus? Wenn dir die Form gefällt, baue sie dir für deine Zwecke um. Vielleicht so: 
    – Worum geht es?
    – Worum geht es wirklich?
    – Was musst du wissen?
    – Was hast du davon?
    – Wie geht es jetzt weiter?

Hast du noch andere Ideen für alternative Blog-Artikel? Schreib doch mal.

Stil, Sprache und die Grenze des Storytellings

Stil, Sprache und die Grenze des Storytellings

Hört doch mal auf mit einfühlsamen Geschichtchen! Fakten sind attraktiv. Jedenfalls bei einer gut zahlenden, gebildeten Klientel. Du willst einen Beleg dazu? Bitteschön!

„Will mein Kunde wirklich wissen, dass ich meine Finanzen auch nicht im Griff habe?“ Meine Kundin schaut mich zweifelnd an. Sie ist Fachfrau für private Finanzen.

Ihre Über-mich-Seite soll neu getextet werden. Sie hat im Netz gestöbert und ist über einen Trend gestolpert: Gemeint ist der Schulterschluss des Anbieters mit dem Kunden. Dieses Sich-in-ein-Boot-setzen:

Du, Kunde, bist ständig überfordert? – Ja, kenne ich. Hatte ich früher auch.
Du hast Angst vor einer Gehaltsverhandlung? – Ging mir auch immer so.

Ganz oben auf der Hitliste der betonten Gemeinsamkeiten steht der Burnout. „Alle Coachs schreiben dasselbe“, murrt eine Freundin und bläst damit in das gleiche Horn, ohne es zu wissen. „Alle sagen, sie hätten selbst einen Burnout gehabt und wüssten nun, wie es richtig geht. Soll ich das glauben?“

Tatsächlich wollen deine Kunden wissen, dass ihr beide etwas gemeinsam habt; dass ihr Werte teilt und zu einer Herde gehört.

Doch ist das Mitgefühl der Dreh- und Angelpunkt?

Auch mit deinem Stil und deiner Handschrift schlägst du Brücken

Es mag Anbieter geben, die mit dem Modell „Schulterschluss“ gute Erfahrungen machen. Doch ich denke, dass die Welt vielfältig ist. Es gibt mehr als einen Kundentypen und folglich gibt es mehr als eine Ansprache.

Unterstützung mit dieser Meinung bekomme ich vom Sinus Institut. Das Institut untersucht die sogenannten „Sinus Milieus“. Diese „Gruppen Gleichgesinnter“ unterscheiden sich hinsichtlich ihrer sozialen Lage und ihrer Grundorientierung. Das Sinus Institut benennt für Deutschland 10 verschiedene Gruppen.

Eine spezielle Untersuchung des Instituts bezieht sich auf die Wünsche und das Verhalten im Netz.

Die Untersuchung ist kostenpflichtig, doch ein paar Fakten verrät das Institut gratis.

Das klassische Establishment der Konservativ-Etablierten etwa wünscht sich

  • eine klar erkennbare Botschaft
  • Tiefgang und Wertigkeit
  • Professionalität in Ausdruck und Ästhetik
  • keine manipulative Kommunikation

Das klassische Establishment nutzt das Netz für Banking, Nachrichten, Products & Prices.

Die etwas jüngere, effizienzorientierte Leistungselite der Performer wünscht sich

  • einen unmittelbaren persönlichen Nutzen
  • Präzision und Prägnanz
  • keine manipulative Kommunikation
  • keine überredende, drängende Kommunikation

Performer nutzen das Netz für Booking, Navigation und News.

Beide Gruppen sind für Weiterbildungsprofis hochattraktiv – da gebildet und im Schnitt gut verdienend (Quelle: Sinus Institut).

Soll deine Kommunikation soziale Ähnlichkeit anzeigen, dann musst du auf Tiefgang und Wertigkeit achten, auf Professionalität, Präzision und Prägnanz. Mit (plumper) Manipulation schlägst du deine Klientel eher in die Flucht.

Überraschung: Seriöse Information hat ihre Fans

Aber heißt es nicht überall, wir sollten Storys erzählen, uns menschlich und zugewandt zeigen? Schwächen und Tiefpunkte offenbaren? Lass mich noch eine zweite Quelle zitieren: Das Faktenkontor hat gefragt, welcher Tonfall bei Menschen im Entscheider-Alter am besten ankommt. Es zeigt sich: Es gibt einen Markt für kompakte, gut aufbereitete und seriöse Information. In der Untersuchung heißt es: Seriöse, neutrale und detaillierte Information steht hoch im Kurs und schlägt Infotainment um Längen (Quelle: Faktenkontor).

Die Wirklichkeit im Marketing ist vielfältig

Schon in meinem letzten Artikel hatte ich mich gegen Einheitsbrei im Marketing gewandt: Den einen wahren und richtigen Kommunikationskanal gibt es nicht. Auch hinsichtlich des Tonfalls und des Stils zeigt sich: Die Menschen sind unterschiedlich.

Mache dir klar, wen du erreichen möchtest. Das Hedonistische Milieu mag es provokativ, polarisierend und extrem während die bürgerliche Mitte einen harmonischen, lebendigen Stil bevorzugt.

Mit verständnisvollen Geschichten schlägst du Erfolgsorientierte eher in die Flucht. Gleichwohl hat dieser Trend seinen Ursprung: Für manche Kundengruppen ist er richtig. Wenn dir jemand also erklärt, dass er mit seinen Storys große Erfolge feiert, ist das möglicherweise richtig – und dennoch ist der Stil keine Lösung für dich.

Deine Sprache zieht Menschen an, die dir ähnlich sind

Mit deiner Sprache und deinem Tonfall schaffst du dir deine Wirklichkeit, denn du ziehst immer die Menschen an, die dir ähnlich sind.

Sprich am besten so, wie es sich für dich richtig anfühlt. Um deinen wahren Tonfall kommst du auf Dauer ohnehin nicht herum.