Bildhafte Sprache: So erreichst du deine Leser

Bildhafte Sprache: So erreichst du deine Leser

Vom schmalen Grat zwischen „Wow!“ und „Was?!?“

  • Eine bildhafte Sprache ist super.
  • Pass nur darauf auf, dass dich deine Leser noch verstehen.

Manche Trainer haben einen Hang zum Architektonischen. In diesem Jahr ist mir das gleich mehrfach aufgefallen. Einer erzählte mir ausführlich, wie es ihm gelingt, in Unternehmen Räume zu öffnen. Es hat einige Zeit gedauert, bis mir aufging, dass er Botschafter für Change Projekte sucht.

Woher dieser Hang kommt, weiß ich nicht. Für die Kommunikation in Richtung deiner Kunden finde ich ihn problematisch. Er könnte ihn missverstehen und etwas Esoterisch-Emotionales vermuten.

Sprache verbindet, Sprache trennt: Unter Kollegen bist du mit deiner Fachsprache gut aufgehoben. Kunden könntest du jedoch mit Fragezeichen in den Augen zurücklassen.

Sprich die Sprache deiner Kunden

Gerade neulich hat mir ein Personal-Profi einmal mehr versichert, wie sehr es auf den richtigen Stallgeruch von Trainern und Beratern ankommt. Bei jedem Projekt treibt ihn die Frage um, wie gut der Trainer oder Berater bei seinen Kollegen ankommt – ob er oder sie kulturell passt.

Deine Sprache ist ein Teil dieses Stallgeruchs. In Organisationen der Diakonie weht ein anderer Wind als in Produktionsunternehmen der Metallindustrie. Nimm am besten die Witterung auf und passe deinen sprachlichen Ausdruck an.

Eine bildhafte Sprache ist gut – sofern du nicht zu weit abdriftest

Mit Bildern und Vergleichen zu arbeiten, ist völlig in Ordnung. Versuche dennoch, Maß zu halten. Um noch einmal das Beispiel vom Beginn zu bemühen:

Wenn du mit Menschen arbeitest, sprich bitte von Menschen – und wähle Bilder aus der Architektur (Sport, Handwerk, Natur, …) als Ergänzung. Aber bitte drehe den Spieß nicht um und lass die Menschen ganz aus deiner Erklärung heraus.

Stell dir beim Texten einen 14-Jährigen vor

Leser im Netz scannen oft nur die wichtigen Schlagworte. Versuche deshalb, deinen Artikeln einen einfachen Sprachstil zu verleihen. Wenn du zusammen mit deinen Kunden Konflikte aufarbeitest, kannst du so formulieren:

Die Kommunikationskultur Ihres Unternehmens ist ein entscheidender Faktor für Prozessgeschwindigkeit Ihrer Abläufe. Störungen aufgrund verletzter Emotionen führen zu Blockaden zwischen den Mitarbeitern und schließlich zu Konflikten.“

So kann man das machen. Mir gefällt es so besser.

Wenn die Luft zum Schneiden dick ist, wenn die Mitarbeiter nicht mehr miteinander reden, wenn Sie untereinander Groll hegen – dann ist es kein Wunder, dass die Arbeit nicht voran geht.“

Wenn ich sage: „Schreibe gehirnfreundlich“, dann bin ich sicher, dass du innerlich nickst. Du weißt, dass das Gehirn das Einfache und Bildhafte liebt. Mach es deinen Lesern und Kunden einfach.

Die Umsetzung scheint dennoch schwierig zu sein. Reihenweise bildhafte und vertraute Worte findest du in den Grimms Märchen: Wut, Angst, Trauer, Zorn gehören genauso dazu wie Freude, Liebe, Glück und Lachen.

In aller Konsequenz durchhalten lässt sich die Grimms-Märchen-Regel nicht. Du kannst dennoch versuchen, möglichst weit zu kommen. Dein Kunde dankt es dir.


Menschen kaufen Emotionen

Wie du in deinen Texten Nähe zu deinen Kunden herstellst und zugleich deinem persönlichen Stil treu bleibst: Menschen kaufen Emotionen: Fünf pragmatische und einfache Tipps – Podcast und Download.

Update des Artikels vom 7. Oktober 2014

Deine Schreibblockade will Dir etwas sagen

Deine Schreibblockade will Dir etwas sagen

Balzac zerreißt sein Manuskript, Brentano rauft sich die Haare, E.T.A. Hoffmann starrt ins Leere: Das Bild von der Schreibblockade weckt die Fantasie und lädt ein, von eigenen Erfahrungen zu berichten.

  • Fünf Gründe, weshalb dein Artikel einfach nicht in Fluss kommt
  • und wie du deine Schreibblockade abbaust.

Offenbar geht es nicht nur mir so: Der PR-Doktor Kerstin Hoffmann hat zu einer “Blogparade Schreibblockade” aufgerufen und bereits über 40 Autoren für einen Beitrag gewonnen. Viele beschäftigen sich mit Glaubenssätzen und psychologischen Hürden.

Fünf Gründe für eine Schreibblockade

Darin steckt viel Wahres und dennoch möchte ich mit meinem Beitrag etwas dazu tun, Schreibblockaden zu entmystifizieren. Manchmal gibt es nämlich ganz einfache Gründe:

Es gibt nichts zu schreiben. Das Thema fehlt.

Ist die Woche mit zu vielen Aufgaben gefüllt, kann das schon einmal passieren: Ich habe einfach keine Idee. Gute Ideen entstehen beim Lesen, Recherchieren, Denken und Reden. Fehlt die Muße, fehlen die Ideen.

So wenig schmeichelhaft die Diagnose auch ist. Sie hilft, an der richtigen Stelle nach Lösungen zu suchen.

Gleiches gilt für den nächsten Punkt.

Der Gedanke ist noch nicht reif.

Ich bin schon einen Schritt weiter. Für einen publikationsreifen Artikel reicht es dennoch nicht.

„Nicht reif“ kann eine Menge bedeuten: Ich weiß zu wenig über das Thema. Ich bin mit dem Aufbau und den Argumenten unzufrieden. Ich habe das Thema noch nicht auf den Punkt gebracht, weil mir zu viel Beiwerk im Kopf herumschwirrt.

Wie auch immer die Gründe genau sind: In diesem Fall heißt es: zurück treten und neu nachdenken.

Wenn du auf gleichbleibende Qualität Wert legst, ist es wirklich besser, deinen Gedanken reifen zu lassen. Eben habe ich es ausprobiert und einer Testleserin meines Vertrauens einen halbgaren Artikel zum Lesen gegeben. Das Seifige daran hat sie sofort gespürt. Man kann Lesern nichts vormachen: Ein Artikel ist nur so gut, wie der Gedanke, der darin steckt.

Ich finde meinen eigenen Artikel banal.

Es gibt diese Artikel, die man schreiben kann. Oder man lässt es. Sie sind nicht falsch, aber die Welt kommt ganz gut ohne sie aus. Butter-und-Brot-Artikel helfen dabei, den selbst gesteckten Publikationsplan einzuhalten – mehr aber nicht. Und ob sie dann gut für den Image-Aufbau sind, bezweifele ich.

Wenn sich schon der Autor langweilt – was soll dann erst der Leser denken? Er spürt, wie es dem Autoren mit seinem Artikel geht.

Ein Gefühl von „was ich schon immer mal sagen wollte“ hingegen hat sich als früher Indikator für zahlreiche Leserreaktionen erwiesen.

Ich stehe massiv unter Zeitdruck.

Es ist ein gutes Gefühl, abends den Rechner abzuschalten und zu wissen, dass etwas geschafft ist. Wenn Zug auf dem Seil ist, finde ich das prima. Hektik hingegen ist zu viel. Ein schöner, gut aufgebauter Artikel gelingt mir dann einfach nicht.

Über ideale Arbeitsbedingungen lässt sich wenig Allgemeines sagen. Jeder hat seinen eigenen Wohlfühl-Korridor.

Für meinen Teil kann ich sagen, dass gute Artikel nicht zu jedem Zeitpunkt gleichermaßen gelingen. Ich habe über die Jahre gelernt und eingesehen, dass es besser ist, darauf Rücksicht zu nehmen.

Unbehagen mit dem Texten an sich, weil die Übung fehlt

Nach Jahren in meinem Beruf passiert mir das zum Glück kaum noch. Doch ich kann mich noch gut an meine Anfänge erinnern: Zu Beginn habe ich mir meine Artikel mit großer Anstrengung abgerungen. Ich habe mit ihnen gekämpft wie mit Ungeheuern. Nach und nach wurde es leichter.

Bevor dir jede Lust am Schreiben vergeht: Such dir Unterstützung bei einem Freund oder Lektor und lass ihn deinen Artikel vorab lesen.

Der Gewinn ist ein dreifacher: Du gehst gelöster ans Werk, weil du dich sicherer fühlst. Dein Lesepartner sorgt für gleichbleibende Qualität, weil er dich auf Fehler und Gedankensprünge hinweist. Und der Artikel wird schneller fertig. Das einsame Ringen mit Worten hat ein Ende.

Kurz und gut: Ich glaube, dass sich bei einer Schreibblockade die innere Qualitätsprüfung zu Wort meldet und mich vor Dummheiten schützen will.

Das ist doch wirklich anständig von ihr. Weshalb sollte ich mich gegen sie wehren und mit Tricks zum Schweigen bringen? Die Schreibblockade ist eine Variante der inneren Stimme und ich finde, man darf ihr ruhig Gehör schenken.

Update zur Erstveröffentlichung vom 1. November 2013