In 120 Sekunden begeistern: Video-Kurzformate

Schon seit Jahren sind Videos der Renner im sozialen Netz. Alleine in Deutschland hat YouTube 30 Millionen Nutzer, und das jede Woche! Daran wollen wir Werbetreibende natürlich teilhaben. Oder müssen wir sogar?

Nutzer lieben Videos, weil sie leichter zu konsumieren sind als Texte. Sie machen einfach Spass, wenn sie gut gemacht sind.

Aber was genau heißt “gut”? Und wie sieht es mit deiner Haltung zu Videos aus? Ist Video-Marketing dein Ding?

Diese Einheit will dich dabei begleiten, deine Entscheidung für oder gegen Videos zu treffen und anschließend eines zu entwickeln – wenn du möchtest.

Wie sieht der typische Video-Nutzer aus?

Videos in Zahlen

Sieh dir hier die neuesten Zahlen und Reports von YouTube und Google an:

Was Video-Fans gar nicht lieben …

  • Plumpe Werbung
  • Langweilig: Inhalt für die Zielgruppe uninteressant.
  • Kommt nicht in die Gänge: zu langer Vorspann.
  • Zu viele Informationen in zu kurzer Zeit.
  • Langweilige Gestaltung.
  • Mit der Überschrift etwas versprechen und dann ganz anders einsteigen.
  • Lange Standfotos: Videos leben von der Bewegung.

Was Video-Fans lieben ….

  • Information auf den Punkt gebracht, unterhaltsam präsentiert.
  • Dauer zwischen 1 und 3 Minuten (Social Media).
  • Untertitel: Viele stellen den Ton ab, da sie Videos unterwegs ansehen.

Stell dir den typischen Video-Nutzer als einen Menschen mit Smartphone in der Hand vor. Er wünscht sich Tipps und Infos von dir, kurz und knapp, leicht verdaulich und möglichst unterhaltsam . Viele Videos sind zu langweilig, zu kompliziert und zu lang.

Ist ein Video das Richtige für dich?

Gute und schlechte Gründe für Videos

👎 Videos produzieren, weil es alle tun – ohne dass du Spaß an der Sache hast und ohne Zusammenhang mit dem übrigen Content-Marketing.

👎 Videos für Inhalte, die nach einem anderen Format rufen.

👍 Du bist neugierig auf Videos und willst etwas ausprobieren? Nur zu!

👍 Die wichtigsten Inhalte für dein Content Marketing liegen bereits als Text vor. Du suchst nach einer Variante, um neue Nutzergruppen zu erreichen.

👍 Du willst dich als Mensch zeigen und Nähe herstellen.

Mach dir bitte klar, ob du wirklich vor der Kamera stehen willst, ob du dir lieber noch ein bisschen Zeit lässt oder ob du ein alternatives Erklärformat wählst, bei dem du persönlich etwas weiter im Hintergrund bleibst. Die Bühne erobern sich die meisten Menschen Schritt für Schritt. Ein bisschen Gewöhnung und Übung gehören dazu.

Videos ziehen in den meisten Fällen viel Aufwand nach sich: Inhalt, dein Auftritt, Technik, Nachbereitung. Falls du 1.000 Dinge auf dem Schreibtisch hast und wirklich keinen Kopf dafür, lass dir noch etwas Zeit.

Erfolg mit Videos ist kein Selbstläufer: Immer hören wir von den ungemein erfolgreichen Videos – nur selten jedoch von den über 88 Prozent, die weniger als 1.000 Klicks einspielen.

Wenn dich Videos allerdings reizen, dann tu’s. Rechne damit, dass die Ansprüche an die Professionalität über die Zeit steigen werden. Ein paar Macken verzeihen dir deine Fans heute noch eher als in fünf oder sechs Jahren.

Finde einen Umgang damit, dass deine Videos zu Beginn noch nicht perfekt sein werden. Worauf kommt es dir an? Was willst du auf jeden Fall schon jetzt verwirklicht sehen?

Zum Weiterlesen:

Sandra Dirks: 7 Gedanken, die dir helfen, dein erstes Video zu veröffentlichen
Wie stehst du selbst zu Videos: Magst du sie überhaupt? Wie gehst du damit um, dass am Anfang noch nicht alles perfekt ist? Finde den Weg, der zu dir passt.

Wenn dir dein erstes Video im Rückblick nicht peinlich ist, hast du zu lange gewartet.”Sandra Holze begleitet dich, wenn du deinen ersten Online-Kurs an den Start bringen willst. Sie ist ausgesprochen erfolgreich.

Ob Blog-Artikel, Social Media, Podcasts oder Videos, sie hat alles im Griff, so scheint’s. Doch das war nicht immer so. In einem ihrer Newsletter schreibt sie sinngemäß: Fang einfach an. Wenn dir dein erstes Video drei Jahre später nicht peinlich ist, hast du zu lange gewartet.

Mich hat’s ermutigt und ich freue mich, wenn es dir auch so geht: Zu einem der ersten YouTube Videos von Sandra Holze mit dem Titel „Drei Brainstorming-Tipps für Blogthemen“.

Welche Plattform darf es sein?

Kriterien für deine Auswahl am Beispiel YouTube und Facebook.

Deine Videos kannst du selbstverständlich auf deinem Blog einstellen. Damit bist du unabhängig von Plattformen und sich möglicherweise ändernden Nutzungsbedingungen.

Die großen Plattformen bieten allerdings auch Vorteile: Sie stellen dir den nötigen Speicherplatz zur Verfügung und unterstützen dich darin, Fans und Follower zu finden.

YouTube

  • YouTube ist nicht nur eine Plattform für Videos. YouTube ist auch eine Suchmaschine. Viele Nutzer recherchieren bei YouTube mit einem bestimmten Ziel: Sie wissen, was sie wollen. Zudem erscheinen YouTube-Videos bei Google, sofern du sie dafür freigegeben hast.
  • Interessenten können Videos ansehen, ohne sich registrieren zu müssen. Mit YouTube bist du nicht auf bereits bekannte Fans und Follower angewiesen.
  • Die hochgeladenen Videos können von den Nutzern dauerhaft abgerufen werden. Sie werden Teil deines Content-Schatzes.
  • Bei YouTube kannst du deine Videos übersichtlich präsentieren und von den Nutzern abrufen (Abruf nach Beliebtheit sowie Datum).
  • YouTube eignet sich, um eine Community aufzubauen. Wenn eine Community dein Ziel ist, solltest du regelmäßig neue Videos hochladen. Falls du jedoch deinen Schwerpunkt auf einen anderen Social Media-Kanal legst, zum Beispiel LinkedIn, ist es ebenso in Ordnung, eine begrenzte Menge an Videos zu produzieren und sie bei YouTube als Fundus einzustellen – auf den du immer wieder verweisen kannst.
  • Statistisch gesehen mögen YouTube-Nutzer am liebsten Videos mit einer Länge von 2 Minuten, 7 Sekunden. Ein Video mit fünf bis sechs Minuten gilt bereits als eines mit Tiefgang. Daneben gibt es Videos mit einer Gesamtlänge von ein bis zwei Stunden. Was also ist richtig? Überlege dir, was der Zweck deines Videos ist: Geht es zum Beispiel um eine Meditation, einen Reisebericht (und damit zu einem Ausflug aus dem Alltag) oder um ein Info-Häppchen? Werde dir deiner Ziele bewusst und erkläre deinen Nutzern bereits im Intro, was sie bekommen.

Facebook

  • Die Videos sind nur für registrierte Nutzer sichtbar.
  • Facebook-Nutzer können Videos für eine spätere Ansicht speichern und Video-Kanäle abonnieren.
  • Facebook stellt eine Recherche-Funktion zur Verfügung, die generell auch die Videos erfasst. Nach meinen eigenen Tests sind die Ergebnisse jedoch wenig gehaltvoll. .
  • Facebook-Videos stehen im Ruf, eher für den spontanen Konsum gedacht zu sein. Das bedeutet: Die Nutzer melden sich bei Facebook an, scrollen in der Timeline und sehen sich an, was ihnen so über den Weg läuft.
  • Deine Fans und Follower werden per Timeline über deine Videos informiert. Nach der Veröffentlichung sind sie kurz sichtbar – und dann auch wieder weg.
  • Facebook bevorzugt Videos, die direkt dort hochgeladen werden. Die durchschnittliche Verweildauer bei solchen “nativen” Videos liegt zwischen 8 und 30 Sekunden.

Quelle: Facebook Video und YouTube: Die drei wichtigsten Unterschiede, Upload Magazin

Schritt für Schritt zu deinem Video

Deine Ziele

Nutzer schauen sich Videos an, weil sie leicht zu konsumieren sind. Sie wollen entweder komplizierte Themen ansprechend und einfach erklärt bekommen oder schlicht unterhalten werden. Deshalb solltest du mit deinen Videos den Fokus auf die Nutzer und ihre Probleme legen und nicht direkt verkaufen wollen.

Das Gehirn verarbeitet Bildmaterial schneller als Text. Insofern sind Videos ein überzeugendes Format, um Inhalte auf schnelle und effektive Weise zu vermitteln.

Quelle: Video-Marketing: Die 6 größten Fehler, und wie Sie sie vermeiden, Lisa Huppertz, Mynd,

Ein Video, eine Botschaft

Videos sind ein enorm erfolgreiches Kommunikationsmittel, sofern ein durchdachtes Konzept dahinter steht.

Ein schlecht fokussiertes Video mit mehreren Zielen, Botschaften und Handlungsaufforderungen ist alles andere als billig. Letztlich kommst du besser weg, wenn du mehrere Versionen des Videos mit je einem Ziel, einer Botschaft und einer Handlungsaufforderung herstellst.

Quelle: Sechs Videotypen und ihr Platz in der Customer Journey, Gerhard Schröder, Upload Magazin.

Bitte überlege dir

Teil 1: Was versprichst du dir von deinem Video?

  • Weshalb willst du ein Video drehen?
  • Was versprichst du dir davon?
  • Was muss dein Video mit Blick auf deine Ziele hergeben?

Teil 2: Wie willst du dein Video fokussieren?

  • Welche Botschaft möchtest du vermitteln?
  • Welche Zielgruppe willst du erreichen?
  • Was passiert, wenn deine Zuschauer dein Video gesehen haben? Wo geht es für sie weiter?

Bitte notiere deine Ideen und deine Botschaft in einer Mindmap.

Die Form: Videos und andere Erklärformate

Ist ein klassisches Video – ein „Talking Head“ in deinem Fall die beste Form? Ein Video braucht Bewegung und Abwechslung. Vielleicht ist eine Kombination aus Text und Bewegtbild oder eine Slidershow sogar besser?

Hier ein paar Beispiele:

Talking Heads

Wieso eigentlich wollen so viele Schotten unabhängig werden?

Mit 4.20 Minuten ist das Video von Annette Dittert bereits ein längeres. Wenn du es dir anschaust, achte einmal darauf.

  • Annette Dittert ist ARD-Korrespondentin in London – also ein echter Profi. Wie verhält sie sich vor der Kamera?
  • Wie lange dauert eine Sequenz – also die Zeit von Schnitt zu Schnitt?
  • Welche Möglichkeiten findet sie, Abwechslung in ihr Video zu bringen?

Wie sicher ist Astra Zeneca wirklich?

Mai Thi Nguyen-Kim kennst du vielleicht vom WDR. Ihr Video-Kanal “maiLab” wurde in den letzten Jahren mit zahlreichen Preisen geehrt: Nannen-Preis, Grimme-Preis, Preis der Dt. Akademie für Fernsehen und andere mehr.

Ihre Videos sind ziemlich lang und sehr professionell. Lass dich nicht einschüchtern! Spannend finde ich den Erzählrhythmus und die Abwechslung, die sie schafft.

Text und Bewegtbild

So wird Warten erträglicher, quarks.de / via Instagram

  • Was fällt dir auf zum Rhythmus der Musik?*
  • Was schätzt du: Wie umfangreich ist der Text (Anzahl der Worte)**?
https://www.instagram.com/p/CPvgjbZK7sd

* 4/4-Takt, verlangsamter Herzschlag, Tempo wie Chillout-Musik / ** 93 Wörter / 600 Zeichen / 59 Sek.

Text: So wird warten erträglicher / Wir können Wartezeit nur sehr schlecht einschätzen. / Häufig überschätzen wir sie. / So kommt uns die Wartezeit kürzer vor: / 1. Je dunkler ein Raum, desto kürzer nehmen wir die Zeit wahr. / Gedämmtes Licht lässt uns entspannen und die Zeit vergessen. / Es darf aber nicht so dunkel sein, dass wir nichts sehen. / 2. Mit Musik kommt uns die Wartezeit kürzer vor. / Je langsamer das Lied, umso besser. / Denn der Takt beeinflusst unser Zeitgefühl. / 3. Wenn es unfair erscheint, empfinden wir die Wartezeit als länger. / Also am besten die anderen Schlangen ignorieren. / Schlussbild.

Slidershow

5 Dinge, die du nicht über Kleopatra wusstest, zdf.info

Kein Video, aber vielleicht doch eine Möglichkeit?

  • 5 Slider – 125 Wörter – 870 Zeichen, ca. 25 Wörter pro Seite.
  • 5 Dinge plus ein Deckblatt und ein Schlussbild = 7 Slider

https://www.instagram.com/p/CPaxoh_nyF7

Text: Fünf Dinge, die du nicht über Kleopatra wusstest / 1. Die Wurzeln von Kleopatras Familie liegen nicht in Ägypten, sondern im antiken Makedonien. Ihr Name ist griechisch und bedeutet wörtlich: “Ruhm des Vaters”. / Trotzdem war sie die erste Herrscherin ihrer 300-jährigen Dynastie, die neben ihrer Muttersprache Griechisch auch Ägyptisch sprach und mindestens sechs weitere Sprachen. / Kleopatra war Mutter von vier Kindern. Mit Caesar hatte sie einen gemeinsamen Sohn, Caesarion. / 4. Sie überzeugte die mächtigen Römer ihrer Zeit mit ihrer Intelligenz und ihrem Charme, nicht mit ihrer Schönheit. Für Römerinnen war sie hingegen eine Trendsetterin in Sachen Mode. / Kleopatra starb nicht durch einen Schlangenbiss, wie oft behauptet wird. Ihr symbolträchtiger Tod durch den Biss einer Kobra ist eine Legende. Wahrscheinlich kam sie durch einen Gifttrunk ums Leben.

Der Aufbau

Arbeitshilfe: Skript

Auch wenn du vor der Kamera lieber frei sprichst, kann es für dich hilfreich sein, deinen Sprechtext vorab aufzuschreiben. Ein Skript kann dir helfen

  • den Umfang deines Videos abzuschätzen: Wie viele Wörter brauchst du für deinen Gedanken? Hast du dir zu viel vorgenommen?
  • dir ein Bild davon zu machen, wie viel Begleitmaterial du brauchst.
  • dein Begleitmaterial mit deinen Sätzen abzustimmen.
  • Regieanweisungen zu hinterlegen.
  • Dich mit Partnern abzustimmen, die dich bei deiner Video-Produktion eventuell unterstützen.

Für deutsche Sprecher gelten 90 bis 120 Wörter pro Minute als normal. Übe den Rhythmus: ein Satz, ein Gedanke, ein Schnitt. Bleibe mit deinem Bildmaterial eng am Text.

Wie gelingt es dir, komplexe Inhalte in verständliche Bausteine herunterzubrechen?

  • Verwende einheitliche Illustrationen und Animationen.
  • Erkläre Konzepte mit visuellen Elementen, anstatt mit reinem Text.
  • Verwende einen einfache Sprache und nur wenige Fachbegriffe.
  • Binde ein abschließendes Fazit ein, dass deine Botschaft zusammenfasst.
  • Gibt deinen Fans durch einen Call-to-Action oder Kontaktinformationen die Möglichkeit, mehr von dir und deiner Arbeit zu erfahren.

Quelle: Video-Marketing: Die 6 größten Fehler, und wie Sie sie vermeiden, Lisa Huppertz, Mynd

Achtung, Aufnahme! Die Kamera und du

„Wenn ich präsent bin, bin ich ein Präsent“: Ja, schon. Aber was kannst du dafür tun, dass du präsent und entspannt „rüberkommst“?

Die Expertin für Präsenz & Stimme JAcinda Sroka weiß Rat. Schau dir ihr PDF an und höre ihren Podcast „Was ist Präsenz? Was brauche ich, um präsent zu sein?

Tipps für die Technik

Die erste Ausstattung

Nachbearbeitung

Schnittprogramme für Einsteiger
Empfehlungen von Twitter-Followern

Für klassische Videos

Bearbeiten am Desktop

Bearbeiten mit dem Smartphone

Für Erklärstücke mit Text und Bewegtbild


Kurze Einführung in Lumen 5