Was bedeutet Growth Hacking? Rezension zum Buch von Tomas Herzberger und elf weiteren Autoren.

  • Gut leben und im Geschäft vorwärtskommen in der digitalen und agilen Welt: Wie funktioniert das für Solo-Selbständige?
  • Nicht nur Unternehmen haben Grund, sich anders aufzustellen. Auch wir Solisten brauchen neue Konzepte.

Nach und nach machen Autoren und Impulsgeber von sich reden, darunter Monika Birkner oder Brigitte und Ehrenfried Contra Gromberg.

Für diesen Blog-Post habe ich mir „Think Growth“ vorgenommen, ein Buchprojekt von Tomas Herzberger, Sandro Jenny, Felix Thönnessen, Robert Weller, Vladislav Melnik und anderen Bekannten mehr. In zwölf Kapiteln gehen die Autoren der Frage nach, wie schnelles und nachhaltiges Wachstum heute gelingt.

Doch bevor ich zu einigen ausgewählten Impulsen komme, drängt sich eine Frage auf: Was bedeutet „Growth Hacking“ eigentlich?

Growth Hacking: Was heißt das nun wieder?

Der Begriff ist unscharf umrissen. Die Definitionen variieren: Es geht um Knowhow, Technologie und um das richtige Denken. Ständiges Lernen und Optimieren gehören unbedingt dazu. Der Fokus liegt auf der Umsetzung. Ohne Wenn und Aber.

Hendrik Lennarz schreibt: Growth Hacking ist

Die Fähigkeit, ein Mindset zu etablieren, bei dem ständiges Lernen und Optimieren den Alltag bestimmen … Die Fähigkeit, sich im Rahmen eines kontinuierlichen Prozesses zwischen Ziele setzen, Planen, Umsetzen, Messen und Optimieren von neuen Ideen zu bewegen. Das Ganze in Hochgeschwindigkeit …

Flexibel und planvoll zugleich

Wer sich mit Agilität beschäftigt, findet beim Growth Hacking Vertrautes wieder: Lange Planungszyklen sind out. Wir müssen schneller auf den Punkt kommen, auch deshalb, weil sich Geschäftsmodelle schneller erschöpfen.

Schnelles und agiles Handeln hat jedoch nichts mit planlosem Herumwerkeln zu tun. Mit seinem Modell für einen organisierten Growth Hacking-Prozess hat mich Hendrik Lennarz gleich im ersten Kapitel abgeholt. Er setzt damit einen wohltuenden Kontrapunkt zum modisch-agilen Herumdoktern, das im freien Feld weit verbreitet ist.

Der Growth Hacking Prozess unterteilt sich in verschiedene Phasen, die aufeinander aufbauen. In jeder Phase heißt es, wach und flexibel zu sein und notwendige Korrekturen zügig vorzunehmen.

So gewinnen Growth Hacker Sicherheit über die richtige Richtung. Wer schnell wachsen will, sollte auch in der agilen Welt sicher sein, auf dem richtigen Gleis zu sitzen und nach vorne zu blicken.

Radikal hinhören

Alle Weiterbildungsprofis wollen ihren Kunden einen persönlichen Schritt voran ermöglichen. Auch wenn sich nur wenig Pauschales von Trainern und Coaches behaupten lässt: Das stimmt.

Dennoch bleiben viele mit ihrem Angebot ungehört. Einen „Ausflug in den Kopf des Kunden“ zu unternehmen, empfiehlt deshalb Felix Thönnessen. „Höre den Menschen zu und erkenne ihren Bedarf“, ruft er uns zu. Doch wie gelingt das?

Alles beginnt damit, einen homogenen Kundenkreis festzulegen. Anschließend heißt es, ein tiefes Verständnis für dessen Bedürfnisse und Kaufverhalten zu entwickeln: Weshalb kaufen genau diese Kunden? Was triggert ihren Kaufimpuls? Wie kaufen sie?

Das Verständnis für die eigenen Kunden entwickelt sich stetig: Wir als Anbieter gehen mit Annahmen an den Start und prüfen, ob wir richtig liegen. Besonders hilfreich sind Auskünfte von Kunden und Bekannten, die uns gut genug, aber nicht zu gut kennen. Der richtige Abstand ist notwendig, damit Befragte den Mut haben, Kritik zu äußern.

Felix Thönnessen schlägt Interviews mit Fragen wie diesen vor:

  • „Welches Problem versuchen Sie mit dem Produkt zu beheben?“
  • „Was muss das Produkt können, um Ihr Problem zu beheben?“
  • „Würden Sie das Produkt kaufen? Wenn nein – warum?“

Und andere mehr: Wer sich traut zu fragen, erfährt Spannendes, Überraschendes und Erhellendes.

Deinen Mehrwert für deine Zielgruppe verstehen

Auch Marina Zayats erobert mein Leser-Herz im Nu: Gleich zu Beginn betont sie, dass Personal Branding NICHT für perfektionierte Eigen-Inszenierung steht, sondern für die Frage: Worin liegt mein Mehrwert für meine Zielkunden und wie mache ich ihn sichtbar?

„Wer bin ich in Bezug auf diese Kunden?“ Für unterschiedliche Kunden könnte der Mehrwehrt schließlich unterschiedlich sein. Die optimale Personal Brand baut auf Wissen auf, auf Fähigkeiten, Erfahrungen und der persönlichen Handschrift. Sie bezieht sich auf eine Kundengruppe und deren Bedarf.

Inspirierend und anspruchsvoll

Von Kapitel zu Kapitel könnte ich mich weiter vorabeiten und jeweils einen klärenden oder inspirierenden Gedanken vorstellen. Die Autoren sind großzügig mit praktischen, handwerklichen Tipps und stellen etwa die Formel für den ersten Satz auf der Webseite vor.

Ich finde das Buch sehr lesenswert für alle, die verstehen wollen, wie man heute Kunden gewinnt und sein Geschäft entwickelt.

Zugleich ist das Buch sehr anspruchsvoll: Die Autoren betonen etwa die Notwendigkeit, rasch Lösungen zu entwickeln und zu testen. Dabei übersehen sie für meinen Geschmack, wie viel Können und Erfahrung der Akteur mitbringen muss, damit er überhaupt so schnell sein kann. Für Solisten, die ihr Marketing selbst in die Hand nehmen, ist das nicht ohne.

Ohne Zweifel weht dem Leser bei der Lektüre ein frischer Wind entgegen. Doch sich wegzuducken, hat noch nie gelohnt. Die Zukunft gehört den Mutigen. Deshalb denke ich: Schuhe anziehen, Schal umwickeln – und los geht’s. „Think Growth“ ist ein kluger Wegweiser für unterwegs.

Think Growth. Wachstum beginnt in deinem Kopf. Tomas Herzberger (Hrsg.) und andere.