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Sieben Tipps für leichte Texte und ein hohes Lesetempo

  • Von Struktur, Einstieg, guten Vergleichen,
  • Satzbau und treffenden Worten.

Alles wird schneller, auch die Art wie wir Inhalte konsumieren. Ob Video, Radio oder Online-Seminar: Schnelle Schnitte und Wechsel sind en vogue. Überall bemühen wir uns um Tempo, wir wollen ja nicht langweilen.

Von Blog-Artikeln heißt es, dass die Leser nur etwa 20 Prozent dessen aufnehmen, was du geschrieben hast (Neil Patel). Für ein möglichst gutes Ergebnis sollten deine Artikel demnach einfach und schnell zu lesen sein.

Was bedeutet das? Gibt es Alternativen zu den weit verbreiteten Ein-Satz-Absätzen? Hier sind sieben Tipps für leichte Texte.

Der rote Faden

Mach dir die Situation deines Lesers bewusst: Er will sich informieren oder etwas lernen. Wenn es gut läuft, steigt er vorne in deinen Artikel ein, rutscht hindurch und kommt am Ende an – atemlos, aber glücklich. Denn er ist ein Stück schlauer.

Eine klare Struktur steigert die Lesefreundlichkeit und Leichtigkeit deines Blog-Artikels.

  • Folge einem roten Faden
  • lass Exkurse aus
  • und komme zügig zu deinem Fazit.

Einige Workshop-Teilnehmer im Blogger-Coaching erzählten von den Schwierigkeiten, so viel Ordnung herzustellen. Sie geraten vom Hölzchen aufs Stöckchen, sagen sie. Versuche einmal eine von den beiden folgenden Methoden:

Arbeite Fragen ab

Methode 1

Du hast dir ein Thema vorgenommen und notierst erste Ideen. Organisiere deine Mindmap so, dass du anstelle einzelner Stichworte vollständige Fragen aufschreibst. Nutze dazu die W-Fragen, also: wann warum weshalb wie wieso wozu warum. Die Fragen beantwortest du anschließend in deinem Artikel.

Fragen erleichtern es dir, eng beim Lesernutzen zu bleiben: Ein fiktiver Leser fragt, du antwortest. So einfach ist das.

Du schreibst also nicht auf, was du weißt, sondern das, was dein Leser potenziell wissen will. Damit vermeidest du es, deine Leser mit Nebeninformationen zu überfordern. Dein Blog-Artikel gewinnt an Leichtigkeit.

Beispiel:

Wie behalte ich den roten Faden in meinem Artikel?

  • Weshalb komme ich überhaupt vom Weg ab?
  • Wie kann ich mich organisieren?
  • Weshalb ist der Fokus wichtig?

Beginne mit dem Ende

Methode 2

Organisiere deine Mindmap vom Ende her. Beginne also mit dem Fazit: Wie lautet deine Botschaft?

Überlege nun, was dein Leser wissen muss, um dein Fazit zu verstehen: Wie belegst du deine Aussage? Wie macht sich deine These im Leben deines Lesers bemerkbar? Was hast du damit zu tun: Weshalb beschäftigt dich das Thema? Was rätst du deinem Leser?

Fang an!

Ob du Fußball spielst, singst oder schreibst: Du brauchst Anlaufzeit zum Warmwerden. Die ersten Sätze des Tages sind deshalb meist nicht aus Gold. Vielmehr bringen sie dich in deinen Schreibmodus und führen dich zum Kern deines Themas.

Das muss dich nicht beunruhigen. Von vielen großen Schriftstellern ist überliefert, dass es ihnen ebenso erging.

Prüfe allerdings kritisch deine ersten Sätze. Wer braucht sie: du oder dein Leser?

Ein langwieriger Einstieg ist das Gegenteil von lesefreundlich und leicht!

Ich mache es häufig so: Zu Beginn schreibe ich hin, was mir einfällt. Egal ob banal oder langweilig: Das krause Zeug muss aus dem Kopf. Irgendwann platzt der Knoten und die Gedanken fließen. Wenn es so weit ist, streiche ich den Anfang und mache mit dem flüssigen Teil weiter.

Beispiel:

Dies war mein erster Einstieg für diesen Artikel. Nette Geschichte, allerdings unwichtig:

„Vor ein paar Tagen habe ich mir „Babettes Fest“ angesehen, ein Film von 1987. Vor 30 Jahren, als ich den Film das erste Mal sah, fand ich ihn großartig. Dieses Mal habe ich mich an der Sessellehne festgekrallt: Bis die Vorgeschichte erzählt war und Babettes Fest begann – das dauerte ewig!“ Alles wird schneller …

Bilder, Storys, Vergleiche

Eine Journalistin aus meinem Bekanntenkreis sinniert Tage über einen guten Einstieg in ihre nächste Geschichte. Dabei versucht sie herauszufinden, was in ihrer Story eigentlich verhandelt wird:

  • Worin liegt der Konflikt?
  • Wer grenzt sich gegen wen ab?
  • Gibt es ein einerseits – andererseits?

Erst dann setzt sie sich an den Schreibtisch und tippt ihre Buchstaben in die Tastatur. Ihre Sorgfalt beeindruckt mich. Zugleich wird deutlich, was einen guten bildhaften Vergleich ausmacht:

Mache dir das Grundthema deines Artikels bewusst und finde einen Vergleich, der nahtlos passt.

Überzeugt der Vergleich, auch wenn du ihn in Gedanken in alle Richtungen mit deiner Story abgleichst und knetest?

Wenn dir ein solcher Vergleich gelingt: super! Ein stimmiger, bildhafter Vergleich macht es deinem Leser leicht, deinen Gedanken nachzuvollziehen.

Beispiel:

Ist ein zügiger Artikel so etwas wie eine Fahrt auf einer Wildwasser-Bahn? Immerhin: Ein schneller Artikel hat das Zeug dazu, den Leser durch Geschichten, Gedanken, Wendungen und Perspektivwechsel zu führen. Am Ende ist der Leser vielleicht nass gespritzt, aber erfrischt. Er hat etwas Neues entdeckt.

Die Idee gefiel mir, gerade jetzt im Sommer. Schließlich schien sie mir doch zu krude. Wahrscheinlich hätte ich meine Leser mit einem Rätsel zurückgelassen.

Ein Satz, eine Aussage

Denn Tipp kennst du vermutlich aus Stilratgebern: Vermeide Schachtelsätze.

Übe dich stattdessen, deinen Gedankengang in einfachen Sätzen aufzubauen.

Vielleicht schreibst du am Ende sogar einen Satz mehr. Dein Text liest sich dennoch schneller, weil er leichter zu verstehen ist.

Beispiel:

„Die ersten Sätze des Tages sind der Auftakt, mit dem du dich in deinen Schreibmodus bringst und der dich zum Kern deines Themas führt.“

Einfacher geht es so:

„Die ersten Sätze des Tages bringen dich in den Schreibmodus und führen dich zum Kern deines Themas.“

Räume deine Abschnitte auf

Noch ein Tipp auf der Ebene der Sätze: Bei deinem ersten Entwurf schreibst du vermutlich deine Gedanken auf, wie sie dir in den Sinn kommen. Du fängst mit einem Gedanken an, dann kommt der nächste, dann springst du nochmal zurück … dann fällt dir noch etwas ein … dann weiter. Während des Schreibens nimmst du das womöglich gar nicht wahr. Wir sind es vom Sprechen so gewöhnt.

Prüfe bei der Korrektur, was zusammen gehört.

Große Gedankensprünge habe ich gar nicht im Sinn. Es ist eher etwas Feines.

Beispiel:

„In Blog-Artikeln siehst du vermehrt Absätze, die aus nur einem Satz bestehen. Alles wird schneller, auch die Art wie wir Inhalte konsumieren. Ob Video, Radio-Feature oder Online-Seminare: Schnelle Wechsel sind en vogue. Überall bemühen wir uns um Tempo, um nicht zu langweilen. Hier sind sieben Tipps für mehr Tempo im Text.“

In meinem Negativ-Beispiel steige ich mit Blog-Artikeln ein, dann komme ich zum Tempo und schließlich bin ich wieder beim Text – alles in einem Absatz. Wirklich schlimm ist das nicht. Wenn du jedoch konsequent alle Lesehürden abbauen und leichte Texte gestalten willst, ist es besser, alles zusammen zu bringen, was zum Text gehört und den Rest nach vorne zu stellen. Dein Gedankengang wird damit schlüssiger und leichter nachzuvollziehen.

Das treffende Wort

Ist in deinen Artikeln viel von „Bereichen“, „Feldern“ und „Gebieten“ die Rede? Was genau meinst du?

Das passende Wort zu suchen, ist die Extra-Meile, die du für deinen Leser gehst.

Es sorgt für Präzision, denn es befreit ihn davon, Platzhalter mit Sinn zu füllen.

Hab ein Auge auf unspezifische Begriffe und suche nach etwas Besserem. Das Duden-Wörterbuch ist dabei dein Freund.

Weg mit der Schlacke

Prüfe deinen Text auf Füllwörter wie „auch, allzu, bereits, denkbar, eigentlich, etwas, fortwährend, genau, häufig, in diesem Zusammenhang, manchmal, nun, offenbar, plötzlich, relativ, schon, sicher, trotzdem, unbedingt, vielleicht, voll, wieder, ziemlich … “ (aus: „Füllwörter in Texten streichen oder sparsam einsetzen“ von Manuela Seubert). Sie blähen deinen Text auf, ohne Inhalt beizusteuern , belasten das Aufnahmevermögen deines Lesers und senken das Lesetempo.

Im Netz findest du verschiedene Tools, die deinen Text analysieren und dich auf mögliche Schwachstellen hinweisen, wie etwa die Textanalyse der Wortliga.

Lass dir jedoch nicht dein Selbstbewusstsein als Autor abkaufen. Die Software prüft deinen Text mechanisch ohne Gefühl für die Sprachmelodie. Es liegt bei dir, Vorschläge anzunehmen oder abzulehnen.