Nicht einfach: Trainer und Coachs zwischen Auftrag, Gestaltungswillen und Profil

  • Positionierung für Trainer und Coachs:
  • Den Blick fest auf’s Auftragsbuch oder in die Zukunft?

Alles ist im Wandel und demzufolge besteht eine tiefe Sehnsucht nach Werten. Man will sich orientieren, die eigene Position prüfen und entscheiden können, mit wem man sich zusammen tut.

Aus gutem Grund ist die Persönlichkeit des Trainers oder Coachs zu einem festen Bestandteil in der Positionierungsberatung geworden. Auftraggeber wollen wissen, wen sie sich ins Haus holen – gerade bei einem so sensiblen Thema wie der Mitarbeiterentwicklung. Aus diesem Grund sehen sie sich deine Über-mich-Seite ganz genau an und prüfen gemeinsame Werte.

Des Pudels Kern liegt ganz nahe

Ob sich Trainer und Coaches am allgemeinen politischen Diskurs beteiligen sollten? Es steht ihnen frei, Position zu beziehen. Eine andere Frage finde ich allerdings viel brisanter und sie liegt direkt im Selbstverständnis des Trainers oder Coachs begründet.

Inwieweit steht für ihn das Wohl des Mitarbeiters und der Führungskräfte im Mittelpunkt? Oder macht er – überspitzt gesprochen – die Menschen fit für den Wahnsinn in den Unternehmen?

Unternehmen buchen Leistungen, weil sie entweder Kosten senken oder Gewinne steigern wollen. Auch eine Maßnahme gegen einen Burnout muss sich in diesem Muster rechtfertigen: Häufig wollen sich Unternehmen die Kosten für einen langfristigen Arbeitsausfall ihrer Mitarbeiter sparen.

Mag sein, dass einige Entscheider ein Herz für ihre Kollegen und Mitarbeiter haben. Vielleicht sind es sogar viele. Doch werden sie intern die gebuchte Maßnahme unter der Überschrift „Mitarbeiterwohl“ diskutieren?

Aktuell ist die Kritik an unserem Wirtschaften en vogue und auch ich stehe unter dem Einfluss: Es gibt Beispiele himmelschreiender Ausbeutung von Menschen. Und immer muss das Argument herhalten: Wir müssen wachsen! Wir müssen innovativ und rentabel bleiben! Ich frage mich, wer da am meisten profitiert. Sind es nicht doch häufig die Kapitalgeber?

Was, bitte, heißt hier Wirklichkeit?

Trainer und Coaches müssen sich irgendwo positionieren – zumindest innerlich: Bis zu welchem Punkt gehen sie mit? Wo ziehen sie die Grenzen und wo beginnt für sie das Unmenschliche? Der moderne Mitarbeiter soll ja schließlich ein intelligenter und innovativer Kopf sein, leistungsfähig, resilient und selbstverantwortlich, moralisch sattelfest und nicht zuletzt soll er unternehmerisch denken! Mit einem Wort: Gesucht ist ein Held nach antikem Vorbild.

Die Strukturen in den Unternehmen sollen jedoch bevorzugt bestehen bleiben.

Entschuldigung. Jetzt werde ich gallig. Doch viele Trainer und Coaches kennen das: Sie sollen etwas bewirken, was so nicht funktionieren kann. Sagen sie es dann auch – zu dem Preis, dass ihnen der Auftrag verloren geht? Oder gehen sie auf den Kunden ein und wagen einen Drahtseilakt, in der Hoffnung, den Keim zur Veränderung zu legen?

Wäre der Arzt der ethisch überlegene, der nur die Patienten annimmt, die seinen Empfehlungen zu 100 Prozent folgen?

Einfach ist das wahrlich nicht. Damit nicht genug, begegnen den Trainern in der Wirtschaft unterschiedliche Realitäten. Die Automobilindustrie führt uns das gerade exemplarisch vor: Angesichts längst fälliger Anpassungen prophezeien einige Hersteller den Untergang des Abendlandes, wenn in Zukunft ihre Autos ein bisschen weniger CO2 ausstoßen sollen. Die Arbeitsplätze! Du weißt schon.

Vorsicht: Der günstigste Zeitpunkt vergeht

Womöglich werden sie jedoch von der Wirklichkeit überholt. Mancher Experte vermutet genau das. Tatsache ist, dass die Post schon seit geraumer Zeit Elektro-Autos nutzt und selbst baut. Sie brauchte eben welche und seit 2016 verkauft sie sie sogar an andere Unternehmen. Ausgerechnet die Post hat die Nase vorn!

Wie stellen sich Trainer und Coaches in dieser Wirtschaftswelt auf? Machen sie sich zum Fürsprecher einer neuen Idee vom Wirtschaften?

Reine kommunikative Dekoration scheint mir die Wertediskussion nicht zu sein und womöglich haben Trainer und Coachs sehr viel mehr Rückenwind, als gedacht. Die Stimmung ändert sich. Mitarbeiter und Führungskräfte wollen Sinn in ihrer Arbeit sehen (siehe: zukunftsinstitut: Vorwärtsmacher). Unternehmen müssen wohl oder übel mit.

Neben dem Veränderungsrisiko besteht auch das Risiko, zu lange an alten Zöpfen zu hängen. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Auch das Beispiel kennen wir aus der jüngeren Geschichte. Du erinnerst dich.

Beitrag zur Blogparade „Haltung in der Kommunikation: Fake oder echter Trend?“ von Meike Leopold start:talking.

 

 

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