Acht Tipps für einen guten Artikel, geschrieben unter Zeitdruck

  • Zerlege die Aufgabe in Teile
  • und löse dich von dem Druck, perfekt zu sein.

Gleich musst du weg, noch 40 Minuten. Da ist noch der Artikel, den du schreiben willst. Lohnt es sich, jetzt noch anzufangen?

Auf jeden Fall. Hier sind meine besten Tipps, wenn es schnell gehen muss:

Schreiben unter Zeitdruck: acht Tipps

Wähle als Thema einen guten Bekannten

Der erste Tipp ist gleichermaßen einfach wie offensichtlich: Wenn die Zeit drängt, solltest du nicht auch noch recherchieren müssen.

Wähle also ein Thema, das du im Schlaf hoch- und wieder herunterbeten kannst: eine Sequenz deiner Trainings vielleicht oder eine wiederkehrende Beobachtung im Coaching. Es sollte etwas sein, mit dem du dich absolut sicher fühlst und das du schon zehnmal durchdacht hast.

Stell dir einen Kunden vor

Als Weiterbildungsprofi machst du das X-Mal am Tag: Dein Klient oder Kunde stellt dir eine Frage und du gibst eine Antwort: direkt, geradeheraus, ohne Umschweife.

Versuche auch beim Schreiben, in diesem Antwort-Modus zu bleiben.

Andernfalls besteht die Gefahr, dass du dich verzettelst. Auch wenn du mehr Zeit hast, schadet eine Portion professioneller Distanz nicht: Sie verhilft dir zu klar aufgebauten Artikeln.

Anders sieht es aus, wenn du ein persönliches Statement im Sinn hast oder deinen Blick auf die Welt enthüllen willst. Bei solchen Artikeln kannst du leicht vom Weg abkommen, weil du deine Gedanken noch sortieren musst. Auch solche Artikel haben natürlich ihre Berechtigung, doch hebe sie dir besser für eine Gelegenheit mit mehr Muße auf.

Liebe den Zeitdruck

Im Ernst: Zu viel Zeit ist so schlecht wie zu wenig. Hadere also nicht mit dem Zeiger auf der Uhr, der unaufhaltsam weiter rückt.

Unter Zeitdruck konzentrierst du dich auf das Wesentliche, auf Dinge, die du gut kennst. Für die Glaubwürdigkeit und Lesefreundlichkeit deiner Artikel ist das ein Plus.

Akzeptiere das Unperfekte

Die Zeit ist knapp und womöglich fühlst du dich geistig auch noch ausgelaugt. Du schaffst vielleicht nur 60 Prozent dessen, was dir sonst gelingt. Oder sogar nur 40 Prozent.

Das macht nichts. Es ist ohnehin besser, einen Artikel in Arbeitsschritte zu zerlegen. Was im Moment noch schief und unausgegoren wirkt, verbesserst du in der nächsten Korrekturrunde.

Mach dir nicht auch noch Extra-Druck und versuche zu geben, was jetzt möglich ist.

Gliedere die Aufgabe

Wenn du einen Artikel schreibst, unterteile die Aufgabe in mehrere Schritte. Auf die Art konzentrierst du dich zu einem Zeitpunkt immer nur auf eine Aufgabe. Der Versuch, alles gleichzeitig zu machen, führt dagegen geradewegs in die Hektik.

Überlege dir und notiere auf einem Zettel:

  • Was ist die wichtige Botschaft deines Artikels?
  • Was muss dein Leser dazu wissen? Sammele die Inhalte.
  • Schreibe deinen Artikel einmal herunter.
  • Entwirf anschließend die Zwischenüberschriften und den Titel.
  • Überarbeite deinen Text. Verbessere Wortwahl, Satzbau und prüfe die Länge deiner Abschnitte.

Schreibe drauflos

Den Artikel einmal herunterzuschreiben, egal wie schön oder schräg er ist, fällt schwer. Als Autor bist du immer versucht, Tippfehler zu korrigieren, schönere Sätze zu bilden oder passendere Worte zu finden.

Versuche dennoch, bei deinem Gedankengang zu bleiben und diesen festzuhalten.

Lass Fehler Fehler sein und hässliche Wortwiederholungen so wie sie sind. Versuche einfach, ans Ziel zu kommen. Widerstehe jeder Abzweigung.

Gerade der erste Satz fällt unter Zeitdruck schwer. Schreibe einfach die schrägen und verqueren Gedanken auf, die dir in den Sinn kommen. In einem Schreibseminar habe ich einmal den Tipp bekommen, wirklich alles zu notieren, was mir in den Sinn kommt, auch Gedanken wie „Mir fällt aber gerade gar nichts ein. Was schreibe ich bloß? Worum soll es hier eigentlich gehen?“ und so weiter.

Mit der Zeit spürst du, wie sich deine Gedanken sortieren und sich ein Pfad auftut. Streiche dann einfach den Anfang weg.

Lass den Text überarbeiten

Wenn es eine freundliche Seele an deiner Seite gibt, die dir deine Artikel überarbeitet, nutze diese Chance. Die letzten 20 Prozent an Qualität in eigener Regie zu erarbeiten, ist ausgesprochen mühsam. Ein anderer hat einen frischen Blick. Er sieht mehr und geht unverkrampfter ans Werk.

Suche dir für die Qualitätssicherung zumindest ein Rechtschreibtool im Netz. Eine kostenfreie Variante ist die Rechtschreibprüfung24. Wenn du ein bisschen Geld in die Hand nehmen willst, hat der Duden eine Lösung parat: Duden Rechtschreibprüfung.

Nimm dir mindestens einen Tag Zeit

Für einen Jetzt-aber-schnell-Artikel nimmt sich dieser Tipp sicher merkwürdig aus: Doch wenn nicht gleich Leib und Leben an deinem Artikel hängen, solltest du ihn mindestens eine Nacht liegen lassen.

Beim Schreiben musst du verschiedene Aufgaben bewältigen, wie Inhalte sammeln und strukturieren, die richtigen Worte finden, deinen Leser im Blick behalten, auf die Rechtschreibung achten und vieles mehr. Das kostet Kraft.

Doch nicht nur die Energiekurve sinkt. Zugleich bist du nach intensiver Arbeit an deinem Artikel mit dem Ergebnis verheiratet, soll heißen: Dir fehlt die Distanz. Fehler und Gedankensprünge fallen dir nicht mehr auf.

Am nächsten Tag siehst du wieder klarer: Der eine zusätzliche Tag verbessert die Qualität deiner Artikel maßgeblich!

Wird es dir gelingen, einen ganzen Artikel in 40 Minuten abzuschließen? Sicher nicht. Doch eine Mischung aus innerer Distanz und Nicht-Perfekt-Sein-Müssen hilft dir, Zeitlücken zu nutzen und Aufschieberitis zu vermeiden. Du darfst Fehler machen. Du darfst deine Artikel in Etappen schreiben, das solltest du sogar. Dein Artikel profitiert davon.