Krisen-Prävention: Acht Impulse mit denen du dein Business wetterfest machst.

  • So bereitest du dich auf hohen Wellengang vor.
  • Und wenn alles viel besser kommt als gedacht, dann bist du schneller und effizienter geworden.

Lesezeit: 6 Minuten

Wenn die Wirtschaft schwächelt, wenn alle von Krise reden, stehen Marketing und Weiterbildung weit vorne auf der Streichliste. Darauf müssen wir uns gefasst machen. Die Zeichen stehen auf Abschwung und wir werden in unruhigen Gewässern navigieren.

Ich komme mir vor wie ein Skipper. Ich stehe am Ufer und bereite meine Überfahrt über den Atlantik vor. Hoher Wellengang ist gewiss. Schon in Ordnung. Doch ich muss ja nicht gleich mit schlecht gesicherter Ladung auf den Weg machen. Was also muss ich tun, um heil auf der anderen Seite anzukommen? Wie mache ich mein Schiffchen wetterfest?

Impulse für Strategien in der Krise habe ich in einer Sonderausgabe des Harvard Business manager gefunden. Die Artikel dort sind für Entscheider in Konzernen geschrieben. Einen habe ich mir vorgenommen und ihn für die Bedürfnisse von uns Solisten umgearbeitet. Lies also „Härtetest für Ihre Strategie“ in meiner Interpretation:

Acht Impulse für die Krisen-Prävention

Wer ist dein wichtigster Kunde?

Schau dir deine Kundenliste an und mache dir klar, welcher Kundentyp deine Existenz sichert. Bei ihm solltest du deine Ressourcen möglichst konzentriert einsetzen. Überlege:

  • Was braucht dein Hauptkunde inhaltlich jetzt von dir?
  • Was sind aktuell die passenden Formate?
  • Was kannst du tun, um deine Bestandskunden zu begeistern, sie in der Krise zu stärken und die Beziehung zu festigen?
  • Wie gestaltest du deine Kommunikation in der Presse, deinem Newsletter oder in den sozialen Medien? Wie hältst du die Verbindung zu Kunden, Freunden, Partnern und Interessenten?
  • Wie gelingt es dir auch jetzt noch, „Hauptkunden“ zu gewinnen?

Mehr denn je kommt es auf einen Fokus an. Wenn du überall mitmischst, bist du an keiner Stelle überzeugend und präsent.

Welcher Stakeholder hat Priorität?

Wenn es nun einmal so ist, dass du es nicht allen recht machen kannst, wer hat dann Priorität? Wer muss in der Krise zurückstecken? Wer sind deine Stakeholder?

Stakeholder sind Personen oder Gruppen, die von deinem Business betroffen sind und ein berechtigtes Interesse daran haben (zum Beispiel Business-Wissen).

In den Unternehmen sind das typischerweise Kunden, Aktionäre, Lieferanten, die Beschäftigten und andere mehr.

  • Wer steht für dich an erster Stelle? Wer kommt danach?
  • Für wen ist deine Arbeit ausgesprochen bedeutsam? Wer hängt davon ab?
  • Wer hat demgegenüber Einfluss auf dich?

Denke an Kunden, Freunde, Kooperationspartner, Finanzamt, Geldgeber, deine Familie – und an dich. Der Kapitän des Schiffs muss gesund und stark bleiben!

Woran erkennst du, dass dein Business auch in der Krise Fahrt macht?

Unternehmen greifen auf Kennzahlen zurück, um zu prüfen, ob sie sich auf einem guten Kurs bewegen. Bei Solisten ist die Zahlenbasis oft so schmal, dass sie keine tragfähigen Aussagen zulassen. Manch einer kann von drei Projekten pro Jahr leben. Welche Statistik soll er da aufmachen?

Dennoch gibt es zwei Aspekte, die es dir erlauben einzuschätzen, wo du stehst:

Deine Attraktivität für deine Kunden

Die aktuelle Auftragslage ist das eine, deine Attraktivität für deine Kunden das andere. Letztere entscheidet darüber, ob es nach der Krise für dich wieder aufwärts geht.

Deine Attraktivität zeigt sich etwa im Wachstum deiner Social Media-Kanäle. In den Zugriffen auf deine Blog-Artikel. Oder in den Öffnungsraten deiner Newsletter.

Wenn du unzufrieden bist, überlege dir: Was macht deine Strahlkraft aus?

Formal bietest du Coachings, Seminare, Trainings oder andere Formate an. Darüber hinaus gibst du deinen Kunden etwas, das in deiner Persönlichkeit begründet liegt. Was für ein Begleiter bist du? Gibst du ihnen Orientierung, Inspiration, Mut? Deckst du auf, was sie selbst nicht sehen können? Oder stärkst du ihr Selbstbewusstsein, indem du ihnen deutlich machst, worin ihre Stärke liegt?

Sinne darüber, was du deinen Kunden gibst. Wie kannst du diese besondere Stärke in deiner Kommunikation sichtbar machen?

Die Rentabilität deiner Aufträge

Vielleicht musst du zur Zeit dein Honorar reduzieren oder zusätzliche Leistungen erbringen. Woran misst du, dass deine Projekte dennoch rentabel sind? Kennst du deine Untergrenze?

Weniger rentable Projekte können sinnvoll sein, wenn sonst überhaupt nichts zu tun ist. Du sammelst Erfahrung. Dennoch besteht die Gefahr, dass Gratis-Leistungen deine Arbeit entwerten. Spätestens wenn sie ertragreiche und aussichtsreiche Projekte blockieren, ist Schluss.

Wie unterscheidest du Ballast von guten Chancen?

Sicher machst du dir Gedanken, wie du dein Angebot anpassen kannst. Wie unterscheidest du starke Ideen von solchen, die unter Druck entstehen und auf Abwege führen?

Dazu musst dir selbst Gebote setzen. Du hast zwei Möglichkeiten:

  • In deinem Business sind Sicherheit und Qualität das Wichtigste
    Wenn dein größtes Risiko darin liegt, Fehler zu machen, solltest du alles tun, um sie zu vermeiden.
  • In deinem Business kommt es auf Innovation und unternehmerisches Denken an
    Die meisten Trainer und Berater dürften sich hier zu Hause fühlen. Überlege dir in diesem Fall, was für dich auf keinen Fall infrage kommt: Wo setzt du dir deine Grenzen?

Klare Grenzen helfen dir, Irrwege zu vermeiden. Wenn du einmal auf die letzten Jahre zurückblickst und dich selbst bei der Nase fasst: Womit stellst du dir häufig selbst ein Bein?

  • Machst du Pläne und kommst nicht zur Umsetzung?
  • Hast du gute Ideen, die in deiner Fantasie immer größer werden – bis sie dir über den Kopf wachsen?
  • Erfindest du Konzepte, ohne bei deinen Kunden zu checken, welche Chancen sie haben?
  • Schreibst du gerne Konzepte und „vergisst“ das Marketing?
  • Entwickelst du Ideen aus dem Moment heraus, ohne Rücksicht auf dein Gesamtprogramm?
  • Suchst du dein Heil in immer neuen Schulungen und Ausbildungen?
  • Verfolgst du ein Lieblingsprojekt, wohl wissend, dass es dich nicht ernähren wird?

Steve Jobs soll gesagt haben: „Viele meinen, Fokussierung bedeutet, sich für bestimmte Dinge zu entscheiden. Aber das stimmt nicht. Es bedeutet, sich gegen die hundert anderen guten Ideen zu entscheiden.

Wie schützt du dich vor deinem schwachen Punkt? Welche Bedingung setzt du dir selbst? Prüfe deine Ideen daran.

Wo kannst du dir Entlastung holen?

Einen festen Mitarbeiter wirst du dir ausgerechnet jetzt kaum ins Haus holen. Doch für einen Software Service reicht dein Budget vielleicht. Oder für eine genau abgegrenzte Aufgabe, die du außer Haus gibst.

Wenn du Zeit übrig hast, ist jetzt die Gelegenheit, deine Prozesse unter die Lupe zu nehmen. Was blockiert dich:

  • Die Buchhaltung am Monatsende?
  • Das Einstellen und Formatieren deiner Blog-Artikel?
  • Die fehlende Vorlage für deine Word-Dokumente?
  • Das Design von Social Media Posts?
  • Müssten deine Trainingsmodule umorganisiert werden?
  • Ist deine Ablage übersichtlich – oder verbringst du zu viel Zeit mit suchen?
  • Kennst du deine Office Software (Mail-System, Kalender, Video-Konferenz, Dokumente, Ablage, etc.) gut genug und kannst effizient damit arbeiten?

Was raubt dir unnütz Zeit? Jeder Zeitgewinn schafft Raum für zukunftsweisende Arbeiten oder Kundenakquise. Schlanke Prozesse wirken darüber hinaus als Beschleuniger im Aufschwung.

Wie sorgst du für kreative Spannung?

Leere Auftragsbücher sind schrecklich. Doch volle sind auch nicht ohne Risiken.

Wenn es dir wirtschaftlich gut geht: herzlichen Glückwunsch! Doch wo holst du dir Inspiration, um dein aktuell gut laufendes Angebot zu erneuern?

Wie schützt du dich davor, das zu sehen, was du gerne sehen willst?

Was lässt dich nachts nicht schlafen?

Wenn du schon lange selbständig bist, weißt du intuitiv, wo du stehst. Du kennst die Anzeichen einer starken oder schwachen Phase. Vielleicht sind sie dir nicht bewusst, doch du fühlst sie.

Wenn dich die Unruhe packt, schau hin. Wahrscheinlich hast du etwas Richtiges gesehen.

Reitest du ein totes Pferd? Solltest du deine Schwerpunkte verändern? Mach es dir bewusst, was jetzt anders ist, damit du dagegen angehen kannst.

Und wenn alles ganz anders kommt?

Davon träumen wir: Die Corona-Krise vergeht. Die Welt atmet auf und das Geschäft läuft in kürzester Zeit wieder an.

In dem Fall hast du mit dem Krisen-Programm dennoch etwas gewonnen. Du hast dir den Herzschlag deines Unternehmens bewusst gemacht und bist pfeilschnell geworden. Vom Aufschwung kannst du jetzt optimal profitieren.

Was sagst du?

In meinem Artikel mischen sich eigene Erfahrungen mit den Impulsen aus dem Harvard Business manager. Findest du dich wieder? Hast du andere Erfahrungen? Was hat dir in den vergangenen Krisen geholfen?

Über Feedback freue ich mich immer, dieses Mal ganz besonders. Was also sagst du?

Quelle: Robert Simons, Härtetest für Ihre Strategie, in: Harvard Business manager, Ratgeber Rezession, Edition 1//2020.