Die Textqualität bewerten: Tipps für Artikel im Web.

  • Acht Dimensionen der Textqualität.
  • Mit praktischen Empfehlungen für Tempo, Stil, Haltung, SEO und Sprache.

Den Leser abholen

Mit deiner Überschrift hast du eine Erwartung geweckt: Tu dir und deinem Leser den Gefallen und steige gleich in das versprochene Thema ein – andernfalls ist er weg. Online-Leser nehmen sich wenig Zeit: Ganze 1,5 Sekunden gönnen sie sich für die erste Orientierung.

Google bevorzugt umfangreiche Texte von 1.000 Wörtern und mehr. Viele Autoren nehmen dies zum Anlass, bei der Entstehung der Welt und den Mikroben im mittleren Tertiär einzusteigen. Verzeih mir meine Galligkeit. Manche holen wirklich sehr weit aus. Das ist langweilig!

Beginne gleich mit dem Wichtigen und stelle die weniger wichtigen Informationen ans Ende deines Artikels. Dass dein Leser dir bis zum Schluss folgt, ist ohnehin unwahrscheinlich. Sei vielmehr darauf gefasst, dass er nur die Überschriften, Aufzählungen und gefettete Worte überfliegt.

Was ist deine Botschaft? Was ist dir wichtig? Mach dir deine zentrale Aussage klar und sorge dafür, dass dein Artikel genau auf diesen Fokus ausgerichtet ist.

 

Stil, Haltung

Achte auf die Haltung, mit der du deinem Leser begegnest. Sie wird in deiner Sprache spürbar. Weshalb sollte dein Leser deinen Artikel lesen?

  • „Hör mal einen Moment zu. Ich glaube, das ist wichtig für dich“.
    Willst deinem Leser an einem Gedanken teilhaben lassen?
  • „Das ist wichtig und aufregend, und zwar deshalb“.
    Oder willst du deine Begeisterung mit ihm teilen?
  • „Also wirklich, das muss doch mal gesagt werden“.
    Oder wolltest du schon lange einmal etwas los werden?

Oder was ist es sonst? Offensichtlich weniger schön ist, wenn du den Schlaumeier herauskehrst. Wenn du umgekehrt deinen Leser auf einen Thron hebst, finde ich das für einen Trainer und Berater ebenfalls unpassend.

 

Schöpfe aus der Fülle

Viele Content-Experten empfehlen, Artikel vorab zu gründlich recherchieren. Das ist richtig und dennoch bin ich skeptisch. Ich halte wenig davon, zu recherchieren und direkt im Anschluss zu schreiben. Ein solcher Artikel wirkt meist angelesen.

Meine eine Empfehlung lautet daher: Lies und informiere dich. Und dann gehe in dich und mach dir die Dinge zu eigen. Sobald du die neu gewonnenen Impulse in dein Weltbild eingefügt hast, sprichst du anders darüber als zuvor. Deine Leser spüren das.

 

Beschränke dich auf das Beste

Niemand zwingt dich, alles zu schreiben, was du zu deinem Thema weißt. Du bist frei, dich auf die Highlights zu konzentrieren. So bekommt dein Artikel Tempo und er wirkt frisch.

Nimm also die besten 60 Prozent und hebe dir den Rest für eine andere Gelegenheit auf. Als Blogger bist du ja ohnehin immer auf der Suche nach guten Themen. Weshalb also alles auf einmal verprassen?

Wenn du so vor deinem leeren Dokument sitzt, kann es passieren, dass dir der Einstieg schwer fällt: Die Sätze wirken zäh, du kommst nicht in Schwung. Kein Problem, das passiert eben. Tipps für einen kreativen Neustart habe ich bei anderer Gelegenheit schon einmal gesammelt, ebenso Ideen für Textanfänge.

 

Persönlichkeit

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass klassische Pressemitteilungen oder Meldungen in den Nachrichten ganz nüchtern gehalten sind? Sie konzentrieren sich auf die Fakten, damit sich der Leser oder Zuhörer ein eigenes Bild machen kann.

Wenn du Blog-Artikel veröffentlichst, stellt sich die Aufgabe anders dar: Ein möglicher Kunde will wissen, wie du an ein Thema herangehst und wie du dazu stehst. Deshalb ist deine Meinung sogar ausgesprochen wichtig.

Versuche einen Satz einzufügen, der darauf Bezug nimmt: Weshalb hast du das Thema aufgegriffen? Was daran ist dir wichtig? Indem du deine Haltung offenbarst, schlägst du eine emotionale Brücke zu deinem Leser.

 

Die Sprache

Im Web kommt es auf leicht verständliche Texte an. Zahlreiche Autoren haben bereits darüber geschrieben. Humorvoll, erhellend und großartig zu lesen ist „Deutsch!“ von Wolf Schneider. Kompakter führt Aurel Gergey in leicht lesbare Texte ein. Sein E-Book umfasst 50 Seiten. Noch kürzer sind die Hinweise für Rechtschreibung und Stil von „Sprachpingel“ Juliane Topka.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Verwende einfache und kurze Sätze: Die deutsche Sprache neigt – gerade zum Leidwesen ausländischer Gäste und Mitbürger – zu Verschachtelungen, die, wenn wir nicht höllisch aufpassen, zu einem  undurchsichtigen Wirrwarr führen, unmöglich zu lesen und zu verstehen. Ein ausgewogener Mix aus längeren und kurzen Sätzen dagegen liest sich gut.
  • Vermeide einen Nominalstil: Wörter mit Endungen auf -ung, -heit und-keit sind typisch für Behördendeutsch. Wenn sie sich in großer Zahl in deinen Artikel einschleichen, wirkt dieser steif und abgehoben. Ein einzelnes -ung-Wort ist kein Drama, doch in der Mass sind Hauptwörter auf -ung, -heit und-keit ein Graus.
  • Fremdwörter: Ganz vermeiden lassen sich Fremdwörter nicht. Versuche dennoch, sie zu ersetzen wo möglich. Auch wenn englische Sprachkenntnisse selbsverständlich sind, ist das Deutsche für Deutsche immer in bisschen einfacher. Im Netz gilt generell: „Don’t make me think.“
  • Fachwörter: Gerade in der Weiterbildung haben wir es mit Ungetümen wie „Kommunikationsmuster“ und „Ressourcenoptimierung“ zu tun. Auch solche Begriffe lassen sich nicht immer vermeiden, da sie in der Branche üblich und gelernt sind. Dennoch: Mit ein bisschen Aufmerksamkeit kannst du sie teilen. Anstelle von „Kommunikationsmustern“ sind „Muster in der Kommunikation“ ja auch sehr schön.
  • Passiv-Formulierungen verschleiern, wer handelt und wer verantwortlich ist. Aus deiner Trainings- und Coachingpraxis kennst du das. Wenn dein Kunde sagt: „Man müsste mal wieder …..“, dann weißt du, dass nichts passieren wird. Auch in Texten wirken Passiv-Formulierungen in der Regel schwach. Schreibe lieber aktiv.
  • Negativ-Aussagen: Versuche, Formulierungen mit „kein“, „nicht“, „schwierig“, „Konflikte“ und „Probleme“ zuvermeiden. Auch wenn du das Gegenteil sagen willst: Mit deiner Formulierung rufst du das Negative ins Bewusstsein.

 

Form

Artikel leben auch von ihrer Form. Für Blog-Artikel empfiehlt sich:

  • Längere Texte sind besser als kürzere. Vor sechs, acht Jahren waren Blog-Artikel im Umfang von 350 Wörtern ein gutes Maß. Heute dürfen es gerne  1.000 Wörter und mehr sein.
  • Sei großzügig mit Absätzen. Alle 1.000 Wörter oder 12 Zeilen darfst du eine Zwischenüberschrift einziehen. Viele Leser scannen die Überschriften und steigen in die Absätze ein, wenn sie dort glauben zu finden, was sie suchen.
  • Google schätzt Listen. Wenn es passt, verwende Bullet-Points oder numerische Listen.
  • Verwende Keywords in natürlicher Häufung. Keywords in hoher Dichte und ohne Nutzen schätzen weder Google noch deine Leser. Die Google-Updates der letzten Jahre weisen eindeutig in eine Richtung: Google will für die Leser Leser hochwertige und nützliche Texte bereit stellen. Die Suchmaschine kann den Kontext eines Artikels erkennen. Taschenspielertricks mit übertrieben vielen Suchworten in Überschrift, Subhead, H2-Überschriften und Meta-Descriptions sind deshalb überholt.

 

Rechtschreibung

Wusstest du, dass Google die Qualität eines Artikels auch anhand der Rechtschreibung bemisst? Deshalb stellt Google eine Rechtschreibprüfung zur Verfügung. Die Lesefreundlichkeit deines Artikels kannst du zum Beispiel mit dem Online-Tool der Wortliga testen.

Im BlogKraftwerk stelle ich dir  Textmuster und weitere Tipps für deine Artikel vor. Melde dich zu meinem Newsletter an. So erfährst du von den jeweils aktuellen Terminen zu meinen WebWorkshops und von meinen neusten Artikeln.

 

Update eines Artikels vom 6. August 2010

 

 

Was dich außerdem interessieren könnte