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Eine gute Überschrift: Was ist das eigentlich? Antworten, Links zu Überschriften-Vorlagen und Umsetzungstipps.

Vielen Dank, dass du meinen Artikel angeklickt hast. Offenbar hat dich meine Überschrift angezogen.

Und wenn es nicht geklappt hätte? – Das wäre schade gewesen. Für mich. Denn dann wäre die Mühe für den ganzen restlichen Artikel umsonst gewesen.

Das macht Überschriften so bedeutsam

Kein Zweifel: Überschriften sind wichtig – aus vielen Gründen:

  • Überschriften machen deine Leser neugierig und bringen sie dazu, deine Artikel anzuklicken.
  • Viele Leser geben dir allein aufgrund deiner Überschrift ein „Like“ oder teilen deine Artikel in ihrem Netzwerk.
  • Manche lesen überhaupt nur die Überschriften und Zwischenüberschriften deiner Artikel und steigen bestenfalls in den Abschnitt ein, der sie besonders interessiert.

Du siehst: Gute Überschriften sind essenziell, damit sich deine Leser mit dir beschäftigen und deine Artikel teilen. Gute Überschriften zahlen auf deine Reichweite ein.

Nur – was sind gute Überschriften?

Vor ein paar Jahren habe ich mich mit einem SEO-Profi überworfen. Wir konnten uns auf keinen Überschriften-Modus einigen. Erst später wurde mir klar, dass wir beide richtig gelegen hatten, allerdings mit einer jeweils anderen Sicht auf das Thema.

Die SEO-Sicht

Aus der SEO-Sicht beginnt der Gedankengang damit, dass ein Internet-Benutzer eine Frage hat. Er gibt die entsprechenden Suchbegriffe bei Google ein. Prompt wirft Google eine Ergebnisliste aus. Der Benutzer sucht sich unter den angebotenen Treffern diejenigen heraus, die seiner Ursprungsfrage am nächsten liegen.

Der Internet-Benutzer fühlt sich abgeholt, wenn er seine Suchbegriffe in der Überschrift wiederfindet – und gleich noch einmal der Meta Description. Am liebsten ist es ihm, wenn die Suchbegriffe gleich an erster Stelle stehen.

Wichtig für die SEO-Sicht ist: Der Benutzer sucht etwas. Er hat einen gerichteten Blick und will die perfekte Antwort. Jetzt sofort.

Ein Beispiel? „Mitarbeiter Feedback geben

Wenn du mithilfe der organischen Suche bei Google Leser gewinnen willst, solltest du die typischen Suchbegriffe deiner Kunden in deine Artikel einbauen. Einen ersten Hinweis, wie Kunden suchen, liefert Google selbst: Die Auto-Ergänzung zeigt Begriffskombinationen, nach denen User tatsächlich suchen.

Die Ich-guck-mal-was-es-so-gibt Sicht

Leser kannst du nicht nur per Suchmaschine, sondern auch über die Social Media gewinnen. Die Situation hier ist eine andere: Dein Leser loggt sich morgens bei Facebook, LinkedIn oder anderswo ein und sieht nach, was es Neues gibt. Wenn etwas seine Aufmerksamkeit erregt, schaut er genauer hin.

Im Zusammenhang mit den Social Media hat die Überschrift eine andere Aufgabe: Sie soll deine Leser stoppen während diese durch die Timeline scrollen. Überschriften in den Social Media sind deshalb meist emotionaler gestaltet. Sie arbeiten mit starken Reizwörtern und sind außerdem länger.

Ein Beispiel? Wie ist es mit diesem: „Mitarbeiterfeedback: So gehen beide Seiten zufrieden aus dem Gespräch

Wie du beide Überschriften-Typen in deinem Artikel unterbringst

Die Ansprüche aus beiden Richtungen widersprechen sich. Wie bringst du sie unter einen Hut? Lass dir von einem Tool helfen. Wenn du etwa mit WordPress arbeitest, bietet sich Yoast an. Bei Yoast kannst du zwei verschiedene Überschriften definieren – eine emotionale und eine für Google.

Wenn du Yoast SEO in deinen Blog integrieren willst, lade und installiere es direkt unter den PlugIns auf deinem Blog. Bei Kinsta findest du eine Anleitung für die ersten Schritte.

Gedankenknoten vermeiden

Einige Profi-Blogger berichten, dass sie die Hälfte ihrer Zeit, die sie für einen Artikel einplanen, auf die Überschrift verwenden.

Überschriften sind auf jeden Fall wichtig. Doch achte darauf, dass deine Ansprüche nicht über das Ziel hinaus schießen. Beim Schreiben kann das Gefühl entstehen, etwas ganz Tolles erschaffen zu müssen. Etwas unglaublich Kreatives, das die Leser aus ihrer Lethargie reißt, magische Anziehungskraft entwickelt und sie in ihren Bann schlägt …

Und schon hast du dich in deinen Ansprüchen aufgehängt. Befeuert wird das Ganze von Empfehlungen im Netz nach dem Motto „Tipps für perfekte/optimale/großartige/unschlagbar gute/unwiderstehliche Überschriften.“

Manchmal findest du Formeln der Art [Zahl] Tricks für [Suchwort], die [dringender Wunsch]

Ich weiß nicht, wer so texten kann. Ich kann es nicht.

Vorsicht! Fehler in Überschriften

Vor lauter Anstrengung geht dir die Intuition verloren und du entwirfst eine Überschrift, die nicht funktioniert. Zum Beispiel so:

Witzig + rätselhaft

„Eine Einladung, die Lust macht“

Klingt irgendwie positiv. Fraglich ist jedoch, was gemeint ist. Nicht vergessen: Wir sind noch immer bei den Überschriften. Eine gute Überschrift ist eine Einladung zum Lesen, wohl wahr. Doch in der Verkürzung bleibt der Leser mit Fragezeichen zurück.

In einem Fachbuch für Texter mag die Überschrift sogar funktionieren, da das Buch einen inhaltlichen Rahmen setzt. Im Netz hingegen hast du es mit gestressten Lesern zu tun, die sich in einem beständigen Auswahlmodus befinden: Lesen oder nicht lesen? Überschriften, die Rätsel aufwerfen, sind deshalb keine gute Idee.

Mein Tipp: Im Netz sind konkrete Überschriften besser als blumige.

Abstrakt + rätselhaft

„Text und Überschrift“

Das Beispiel mag dir übertrieben vorkommen, doch in Artikelentwürfen meiner Kunden finde ich gelegentlich Überschriften nach dem Muster „Change Management im Fokus“.

Mit einem Verb wird es etwas besser. „Überschriften texten“ lässt zumindest erkennen, worum es geht. Doch das Ergebnis bleibt spröde. Über Überschriften wurde schon reichlich geschrieben. Das Thema ist emotional aufgeladen, weshalb sich mehr Farbe empfiehlt.

Immerhin: Verben machen deine Überschrift konkreter und klarer.

Laut + rätselhaft

Das dritte Beispiel lautet: „Diese Überschriften lassen deine Kasse klingeln“

Hier gibt es viel Gutes zu entdecken: Die Überschrift lässt keinen Zweifel aufkommen, worum es geht und was der Leser beim Lesen gewinnt. Zudem spricht sie die Emotionen an.

Für mich bleibt allerdings rätselhaft, ob ich dem Autor glauben möchte. Mir trägt er zu dick auf. Nach vielen Jahren Werbe-Berieselung bin ich die Übertreibung leid.

Doch dies ist Geschmackssache. Entscheide selbst, was sich für dich richtig anfühlt. Wenn dir ein bisschen mehr Gas lebendiger und einladender erscheint und wenn dies deinem Auftritt insgesamt entspricht, wähle einen farbigeren Sprachstil.

Überschriften für jeden Tag

Eine tolle Überschrift ist eine tolle Sache. Bevor du dich jedoch sinnlos abmühst und dich geistig verrenkst, hole einmal tief Luft:

Bedenke: Deine Blog-Artikel sind eine Spielart des Content Marketings. Ausgangspunkt im Content-Marketing ist, dass dein künftiger Kunde einen Wunsch oder einen Mangel verspürt und sich deshalb auf die Suche nach Informationen macht. Zumindest ist er offen für deine Botschaften.

Die gefühlte Lücke deines Kunden ist also da, mit dir oder ohne dich. Wenn du sie erkennst und füllst, hast du es gut gemacht.

Aktuell lasse ich bei LinkedIn ein paar Anzeigen laufen und teste Überschriften. Das Ergebnis ist eindeutig:

Sinn und Klarheit schlagen die Kunst.

Eine einfache Formel für klare und serviceorientierte Überschriften ist diese:

  • Mach dir klar, mit welchem Wort deine Kunden und Leser von deinem Thema reden und wie sie gegebenenfalls bei Google suchen. Das ist der zentrale Begriff deiner Überschrift.
  • Überlege dir im zweiten Schritt, wie deine Kunden und Leser emotional zu deinem Thema stehen. Wünschen sie sich etwas sehr dringend? Haben sie Angst, sich zu blamieren? Wollen sie es sich leichter machen? Suche dir einen Begriff zu diesem emotionalen Teil der Überschrift.
  • Nun setze beide Teile zusammen. Mit einer „How to“-Formulierung gelingt das meistens.

SOS: die Instant-Lösung

Gelegentlich passiert es einfach: Der Autor überlegt und grübelt – doch die zündende Idee will sich einfach nicht einstellen.

Im Marketing steckt eine Menge Geld, weshalb fast alles schon einmal untersucht wurde – so auch die zugkräftigsten Überschriften. Auf dieser Basis gibt es Listen mit Überschriften-Formeln, die du auf deine Bedürfnisse anpassen kannst. Recherchiere ruhig einmal, im Netz findest du eine ganze Menge davon:

Zwei bekannte Listen sind diese:

Wenn du häufig Artikel schreibst, sind diese Quellen früher oder später ausgeschöpft. So großartig die Möglichkeit auch ist – du kannst die immer gleichen Formeln einfach nicht mehr sehen.

Versuche dann einmal, Inspiration bei Zeitschriften zu finden. Zeitschriften müssen mit ihren Titeln Käufer anziehen. Du kannst also darauf vertrauen, dass die Redaktionen viel Einsatz auf ihre Überschriften verwenden und dass du mit guten Ausgangsmaterial arbeitest. Als jemand, der in der Weiterbildungsszene unterwegs ist, arbeite ich gerne mit Psychologie heute. Stöbere einfach in den Heften der vergangenen Jahre und suche dir eine Vorlage.

Ich hoffe, du konntest einen Gedanken mitnehmen, der dich weiter bringt. Überschriften sind für deinen Erfolg als Blogger wichtig. Sehr wichtig sogar. Doch bevor du dich in überzogenen Ansprüchen verknotest, gehe einen Schritt zurück. Eine einfache, klare Überschrift ist dann die bessere Wahl.

Neubearbeitung und Erweiterung eines Artikels vom 17. August 2018.